TECT – Mitarbeitertreffen 31.08.2022

Auch wenn das Semester noch nicht begonnen hat, treffen sich die Dozenten des TECT jeden Mittwochvormittag für ca. 2 Stunden.

Neben einer ausgiebigen Andachts- und Gebetszeit werden aus den verschiedenen Bereichen Entwicklungen betrachtet, alle werden auf den neuesten Stand gebracht und Anliegen aus dem Campusleben ausgetauscht. Es ist eine intensive und gute Zeit, die im Moment Christina und Ralf nutzen, um die Mitarbeitenden des TECT besser kennenzulernen. Wenn Nathanaels Schule erst begonnen hat, wird Ralf dieses Treffen wohl nicht mehr möglich sein.

Der Verwaltungstrakt in neuem Glanz

In den letzten beiden Wochen wurden viele der Gebäude auf dem Gelände von Collegestudenten mit neuem Glanz versehen (frisch gestrichen). Wenn wir auf dem Campus unterwegs sind, bietet sich die Gelegenheit zu einem kleinen Plausch und Austausch. So auch mit dieser Gruppe.

Uns bewegte im Mitarbeitergebet, dass am Sonntag nach erneut heftigen Regengüssen einer dieser Studenten ums Leben kam. Als er am Wochenende nach dem Streichen nach Hause zu seiner Familie gefahren war, legte er sich schlafen. Mitten in der Nacht brachten die Wassermassen eine Hauswand zu Fall und das Dach brach genau über ihm zusammen. Die restliche Familie konnte sich gerade noch retten. Es war ein typisches Lehmhaus ohne Steinwände. Als die Familie eingezogen war, sahen die Wände so gut aus, dass sie gedacht hatten, es wären stabile Steine verbaut worden. 

Noch in der Nacht rief der Vater fassungslos den Rektor an. Der Regen war zu heftig, als dass ein persönlicher Besuch möglich gewesen wäre. Tröstlich war für alle, dass er Jesus als persönlichen Retter gekannt hatte. So sagten sie, dass er auf der anderen Seite auf sie warten wird, bis man sich wiedersieht.

Der junge Mann war der Älteste von 8 Geschwistern – gerade mal 31 Jahre alt und der einzige mit guter Ausbildung. Er war im letzten Jahr seines Studiums und hätte im Dezember erfolgreich seinen Abschluss gemacht. Seine Familie ist arm und so lagen viele Hoffnungen auf ihm. Nun müssen Sie ihn beerdigen und mit allen Fragen und Gefühlen klarkommen. Allein der Sarg kostet um die 5.000.000 Leones (Die Beerdigung wird 8.000.000 Leones/ca. 560 Euro kosten), mit allem anderen zusammen für diese Familie ein Vermögen.

Wer auf dem TECT lebt, gehört zur TECT Familie. Man sorgt füreinander, ob mit Worten, Taten und Unterstützung. So kamen sie bei der Mitarbeiterandacht überein, als Lehrer finanziell zu helfen, so wie jeder es eben kann.

Uns hat der Umgang mit dem allgegenwärtigen Thema Tod, unserer Endlichkeit und der Ewigkeit sehr bewegt. Bei den ausufernden Demonstrationen im August war ein Polizist getötet worden, der früher auf dem TECT studiert hatte. Auch daran nahmen die Lehrer rege Anteil. Es gibt noch viele andere Geschichten, die uns die Verwundbarkeit des Lebens vor Augen führen. Ein Mann war als Kind an Masern erkrankt und wurde mangels medizinischer Versorgung blind. Heute muss er für eine Familie mit 5 Kindern sorgen. Ein Student sagte bei seiner Vorstellung, dass er vor wenigen Wochen seine Ehefrau an einem Magengeschwür verlor, obwohl sie im Krankenhaus behandelt worden war. Nun muss er allein für die Kinder sorgen. Wir hörten, dass hier Menschen an Hämorrhoiden sterben, weil sie zu arm für medizinische Versorgung sind. Das macht uns betroffen. Wir merken, wie selbstverständlich uns ein soziales Gesundheitswesen ist, das hygienisch und kompetent agiert und in unserem Land jedem Zugang gewährt. Hier fehlt es an ausgebildetem Personal, an Ausstattung und ist darüber hinaus eine Frage des Geldes.

Ein Gedanke des Rektors in diesem Zusammenhang geht uns nach. Der Tod gehört zum Leben – wir können das nicht ändern. Er kann jederzeit kommen. Das Wichtigste aber ist, dass Menschen in ihrem Leben Jesus kennengelernt und eine Entscheidung für ihn getroffen haben. Dann gibt es Hoffnung auf ein Danach und ein Wiedersehen.

Natürlich ist das nichts Neues. Trotzdem bringt uns das ins Nachdenken. Ordnet sich das irdische Leben, das wir geschenkt bekommen haben, tatsächlich im Lebensvollzug dem ewigen Leben unter? Und womit haben wir Deutschen eine solche soziale Absicherung, ein derart gutes Gesundheitssystem verdient (uns ist bewusst, dass auch dieses nicht perfekt ist – aber im Vergleich zu vielen anderen Ländern …)?

Wir fragen uns, ob der hohe Lebensstandard in Deutschland mit allen Absicherungen dazu verführt, uns nicht mit unserem Tod und Sterben bzw. mit der Ewigkeit zu beschäftigen, sondern allein von diesem Leben maximale Erfüllung zu erwarten?

Hier jedenfalls ist das Sterben allgegenwärtig – mitten im Leben, und so ist der christliche Glaube, die Hoffnung auf ein ewiges Leben wirklich fundamental! Trotz der widrigen Umstände, Ungerechtigkeiten und Unbilligkeiten die vorherrschen.

Den Mitarbeitenden des TECT ist wichtig, die Zeit „auszukaufen“ (Epheser 5,16). Schon morgen könnten die Studierenden, die heute in den Vorlesungen sitzen, tot sein. Haben wir ihnen mitgegeben, was wirklich wichtig ist? Wissen sie, worauf es ankommt? Haben sie Liebe und Beziehungen erlebt? Wurden sie herausgefordert, ihre Hoffnung ganz auf Jesus zu setzen? Unterrichten ist hier nicht nur Kopfsache, sondern hat ganz viel mit Beziehung zu tun. Man baut als Lehrer zu den Studierenden Vertrauen auf und arbeitet daran, dass sie sich durch die Themen, die vorkommen, persönlich verändern. Ihr Charakter soll gebildet werden. Innere Reife und ein gefestigter Glaube sind klare Ziele des Studiums.

Dieses Thema lässt uns nicht los und fordert uns heraus. Es wird uns sicher noch länger beschäftigen.

Der Trakt in welchem Familien wohnen

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