Wahrscheinlich vermisst der eine oder andere doch tatsächlich unser oder vielmehr Ralfs beständiges Jammern über das Auto. In der Tat, wir sind sehr dankbar, dass wir nun fast zwei Monate ohne nennenswerte Autogeschichten ausgekommen sind. Das ist fast schon unheimlich …. Die letzte Werkstatt war eine Erfolgsgeschichte und seitdem ist es an dieser Front deutlich ruhiger geworden.

Aber keine Sorge, es gibt nach wie vor genug Herausforderungen mit dem Auto. Es vergeht keine Woche, wo Amadu – unser Haus und Hof Mechaniker – nicht Hand anlegen darf.
Alle ein bis zwei Wochen müssen Nägel oder Schrauben aus den Reifen entfernt. Mal der Auspuff geschweißt, Bremsklötze und Bremsscheiben erneuert oder Bleche ersetzt bzw. befestigt werden.

Doch tatsächlich sind das Alltäglichkeiten verglichen mit dem Bisherigen. Dafür sind wir sehr, sehr dankbar. Natürlich wissen wir, dass größere Reparaturen nicht ausbleiben werden (was sich schon andeutet) – aber alles zu seiner Zeit und nun haben wir neben unserem „Wald-und-Dschungel-Doc“ auch eine gute Werkstatt. Das Problem wird eher sein, was wir machen oder wie wir es machen, wenn diese einmal den Wagen über Nacht zur Reparatur behalten wollen.

Was wird dann mit Schule? Vielleicht aber schaffen wir eine Reparatur dann bis zu den Ferien aufzuschieben. Da muss dann nur Ralf sehen, wie er mit den Öffentlichen hin und her kommt – aber auch das wird schon funktionieren!
Durch die vorlesungsfreie Zeit und das Ende der Festival Season ist es hier, gerade auch auf dem Campus, deutlich ruhiger geworden – fast beängstigend ruhig. Gelegentlich finden am Wochenende ein bis drei Hochzeiten statt – aber mitunter auch gar keine. Selbst Diskotheken und Kirchen befinden sich im Dämmerzustand – Lärm gibt es fast nur noch an den Wochenenden und dann auch deutlich kürzer. Wie schön!
Für die Dozenten, zu welchen auch Christina gehört, gilt nun allerdings, sämtliche Facharbeiten und Examen ihrer Kurse und Studenten zu bewerten und zu benoten. Ralf hat so den Eindruck, dass die wenigsten der Dozenten das lieben! Christina hat „nur“ 8 Kurse mit zwischen 10 – 25 Studenten durchgeführt. Das ist schon ordentlich viel Arbeit. Doch andere Dozenten haben weit mehr Kurse und Teilnehmer. Da alle immer noch parallel andere Stellen und Arbeiten haben, fragen wir uns mitunter, wie sie das überhaupt alles schaffen. Rechtzeitig funktioniert es ohnehin nicht. Und es sind nicht wenige, welche die Nächte durcharbeiten.

Nach wie vor finden persönliches Mentoring, Bibelstudium und Seelsorgegespräche für Christina statt, gerade mit den Studenten, die im näheren Umfeld zum T.E.C.T. wohnen, aber eben auch online oder am Telefon. Darüber hinaus ist sie als Rednerin und Predigerin eingeladen. Gerade hier muss sie teilweise Grenzen ziehen – zu viel!
Die Tage erhielt sie eine Nachricht von einer hiesigen Pastorin, welche Christina gerne als Mentorin haben möchte. Was wird erwartet – wie soll das über die Distanz laufen – schaffe ich das zeitlich überhaupt noch – viele Fragen?
Im Gespräch kam heraus, dass Christina nicht die erste Anlaufstelle gewesen ist. Die Pastorin hat über die Jahre schon bei etlichen Kollegen und der Kirchenleitung ihrer Bundesgemeinschaft nachgefragt, ob jemand bereit wäre. Aber alle haben abgesagt und manche recht schroff – „du bist eine gestandene Pastorin, kümmere dich selbst um deinen Kram“! Sie erlebte zudem, wie Interna weitergetragen wurden. Wie wir feststellen, sind die Strukturen für Begleitung und Beratung …. aubaufähig. Frei nach dem Motto: Funktioniere – diene und brenne …. aus!

Das Wetter hat sich dem Land angepasst und ist irgendwie unkontrollierbar chaotisch. Eigentlich ist der Dezember kühler und trockener, der Harmattan weht leise vor sich hin und bringt manche Brise.
In diesem Jahr ist es in der Trockenzeit deutlich wärmer (30 Grad+) und schwüler (90% +). Aber eben nicht konstant. Manchmal ist es dann wieder ein-drei Tage kühler / trockener und kühlt nachts auf 23 Grad runter, so dass auch Christina morgens mit einer Jacke im Wohnzimmer sitzt und Stille Zeit friert.
Zudem hängen die Berge und das Land sehr häufig unter einer Dunstglocke, die im Laufe des Vormittags verschwindet, aber manchmal auch den ganzen Tag hängen bleibt. Das sieht aus wie Frühnebel – oder dass es Regen geben könnte – aber nichts davon – einzig ist es ziemlich schwül und hat vielmehr mit Staub und Dreck zu tun.

Dann aber wird es wieder heiß – feucht und auch nachts kühlt es kaum noch ab – fast wie ab April. Das ständige Hin und Her tut den Einheimischen nicht gut. Überall hören wir von Erkältungen und Grippe. Und zu aller Überraschung hat es nun auch noch ein paar Mal geregnet – mitten in der Trockenzeit – das geht doch nicht ….! Also mal abwarten, was da noch kommt und wird.
Nachdem EDSA (öffentlicher Strom) zu Beginn unseres Ankommens wieder deutlich öfter vorbeigeschaut hat (3-6 Std. am Tag), hat es die Liaison nun wieder beendet. Seit Januar deutlich weniger Stunden Anwesenheit und teilweise für mehrere Tage kompletter Ausfall.
Dazu gab es Mitte Januar wieder ein offizielles Schreiben, dass gerade Reparaturarbeiten vorgenommen werden … – „es könnte zu Einschränkungen kommen…“! Auf gut Deutsch EDSA wird über einen gewissen Zeitraum nicht zur Verfügung stehen. Die Frage ist nur, wie lange es diesmal sein wird.
Wir jedenfalls sind sehr dankbar über unsere Solaranlage, die uns täglich mit guten 10 Stunden Energie versorgt – was für ein Luxus! Zudem gibt es dann noch unseren Generator, den wir überwiegend zum Wäschewaschen anwerfen.
Das Mpox-Virus hat nun auch Sierra Leone erreicht. Wir hoffen, dass es hier nicht wirklich groß um sich greift, da wir sicher sind, dass die medizinische Versorgung vor Ort diesem Problem nicht so leicht Herr werden würde. Außerdem gibt es hier schon genug andere Probleme. Ein Gebetsanliegen.

Ein Schreiben ist vom Kaiser Bio ausgegangen, also seinem Minister, dass ein 50 Kg Sack Reis ab Februar 2025 nicht mehr als 850 Leones kosten darf. Das ist ein Hammer und mal eine sehr gute Nachricht! Die Preise steigen hier ja kontinuierlich und im Dezember hat ein solcher Sack Reis 1.060 Leones gekostet. Unklar ist nun nur noch, ob der neue Preis nur für die Händler gilt oder sich diese Regelung tatsächlich auch auf den einfachen Konsumenten auswirkt? Wir hoffen es, denn die Stimmung ist nicht einfach – viele hungern über Tage. Uns begegnet oft völlige Verzweiflung.
Das merken wir auch daran, dass egal wo wir unterwegs sind, immer wieder Leute um etwas zu Essen bitten. Auch auf und um den Campus herum. Da ist es nicht leicht gesunde Grenzen zu ziehen. Wir sind dankbar, wenn wir helfen können, aber oft geht es eben nicht. Auch unsere Ressourcen sind begrenzt.

Und siehe da, nun steht fest, das ab Februar 2025 ein 50 Kg Sack Reis je nach Region nur noch 830 – 860 Leones kosten darf. Es ist nicht die Welt und wird das grundsätzliche Problem nicht lösen, aber immerhin ein hilfreicher Schritt. auch für uns, wenn wir ab Februar wieder Reis kaufen und verteilen werden.