Schriftenmission

In Sierra Leone gibt es eine ganze Reihe an Non Profit Organisationen (NGO´s). Das sind private Vereine, die keine Gewinnerzielungsabsicht haben und in der Regel über einen kleinen Verwaltungsapparat mit überwiegend ehrenamtlichen Helfern und Unterstützern arbeiten.

Die Ziele von NGO´s dienen meist sozialen, kulturellen, wissenschaftlichen oder auch religiösen Zwecken.

Interessant ist, das gerade in den letzten beiden Jahren die jährlichen Gebühren für die offizielle Genehmigung einer NGO in Sierra Leone deutlich gestiegen sind. Wie auch die Gebühr für eine Arbeitserlaubnis in Sierra Leone 5.000 Leones beträgt. An sich ist es ja auch gar nicht verkehrt, eine Gebühr für eine Arbeitserlaubnis für Ausländer zu erheben. Die Arbeitslosigkeit hier liegt ja bei guten 50%. Aber in der Regel trifft es Arbeitsplätze und Berufe, die hier kaum einer in diesem Maße ausüben kann. Zudem Organisationen, die ihre qualifizierten Mitarbeiter senden, und hier vor Ort eben keine adäquaten Kräfte finden würden. Auf der anderen Seite haben viele NGO´s dann immer noch einheimische Mitarbeiter und in einem Land mit hoher Arbeitslosigkeit, ist das ein Segen.

Man macht es also denen, die hier für wenig Geld helfen und dienen wollen, nicht leicht, selbiges zu tun. Nun gut, aber so manches was wir erleben, macht auf den ersten Eindruck nicht wirklich Sinn.

Dreimal Döhring – zweimal Steffi

Eine Freundin von uns, Steffi, hat zwar keine NGO, dient aber in dieser Beschreibung. Steffi kommt aus Deutschland, ist gelernte Kinderkrankenschwester. Sie kommt aus einem christlichen Umfeld und hat schon früh den Eindruck gewonnen, Gott will sie in der Mission haben. Ein Aufruf der Bundeskanzlerin, dass medizinisches Personal in Sierra Leone während der Ebola Krise gebraucht würde, war ihre Initialzündung, nach Sierra Leone zu gehen. Für ein Jahr arbeitete und diente sie in diesem Bereich. Nach diesem Jahr war für Steffi klar, hier gehöre ich hin!

Mittlerweile lebt sie nun schon fast 10 Jahre in Freetown, Sierra Leone. Eine Familie, um die sie sich zu Beginn gekümmert hatte, hinterließ weitere Bindungsspuren. Als die Tochter der Familie ein Kind bekam, wurde es „Steffi“ getauft. Die Familie bat Steffi, sich um die kleine Steffi zu kümmern, zu sorgen, sie zu sich zu nehmen – keiner aus der Familie konnte oder wollte. So wurde Steffi Mama und das nun seit guten 9 Jahren.

Steffi die „Kleine“

In Deutschland hatte Steffi Kontakt zu einer Schriftenmission. Diese produziert Andachtsbücher – Kalender und anderes Verteilmaterial in unterschiedlichen Sprachen.

So wurde dieses Material jedes Jahr per Schiff nach Sierra Leone geschickt, dort von Steffi in Empfang genommen und zum Verteilen angeboten und genutzt.

So sieht das dann in der Wohnung von Steffi´s aus – hunderte von Büchern – hinten stapeln sich noch mehr – Andachtsbücher – Bibeln – Kinderliteratur und Kalender.

Ob in Schulen, Krankenhäusern, in der Nachbarschaft oder auf Polizeistationen – mit Tisch oder ohne – Steffi bringt das Material zu den Menschen. Diese waren immer dankbar für christliche Literatur und für ein Geschenk.

Während wir in Deutschland Prospekte oder kostenlose Flyer ungern annehmen, sind hier die „Beschenkten“ derart gerührt, dass man teilweise sogar Tränen in den Augen sehen kann. Nur wenige besitzen Bücher oder haben Zugang zu christlicher Literatur. Längst nicht alle Christen und teilweise nicht einmal alle Pastoren besitzen eine eigene Bibel.

Steffi macht diese kostenlose Literaturverbreitung seit etlichen Jahren. Mit der Zeit wurde das immer mehr – und auch anstrengend. Die Logistik und Organisation hier vor Ort ist halt nicht deutsch, sondern chaotisch flexibel. Heißt: Zollgebühren ändern sich jährlich und je nach Personal willkürlich. Gebühren für Transport und Lieferung ebenso. Das Abholen des kostenlosen Materials gestaltet sich immer interessant – „kannst du das Material bis gestern zu uns bringen?“

Die erste Fuhre ans T.E.C.T.

Was auch nicht immer einfach war, da zum vereinbarten Zeitpunkt nicht automatisch auch jemand wartete – vor Ort war.

Ralf hatte Steffi angeboten, wenn es mal wieder Engpässe geben würde, sei er bereit zu helfen. Eine solche Gelegenheit war nun in diesem Jahr. Die Kalender, Andachtsbücher, Bibeln und Kinderbücher waren auf dem Weg und wurden schließlich geliefert.

Nach dem Procedere am Hafen beim Zoll wurde ein Spediteur beauftragt, das Material zu Steffi nach Hause zu liefern. Dort wurde es bei ihr in der Wohnung gestapelt – Hunderte von Andachtsbüchern – Kalendern – Kinderbüchern und Bibeln und wartete auf die Abholer.

Über ihre Kanäle informiert sie die Leute vor Ort, was an Material da ist und bestellt werden kann. Dann können die Leute sich bei ihr melden und sagen, wieviel von was sie gerne hätten. Bislang hatte Steffi dann das bestellte Material ausgeliefert.

Diesmal sollte es etwas anders werden. An drei Tagen innerhalb von zwei Wochen konnte das bestellte Material bei Steffi vor Ort abgeholt werden – zweimal dienstags und einmal samstags. Wird das gelingen?

Mit Ralf hatte sie die Termine vereinbart. Er würde dienstags von 8 bis 13.30 Uhr beim Verladen anwesend sein. Es ist ja Steffis Privatwohnung und da möchte man die vielen Menschen ungern allein lassen, während Steffi hinten das Material zusammenpackt, so dass jeder und jede sich ein Bild davon machen kann, was dort so alles zu finden ist.

Christinas Geburtstagsüberraschung – Kuchen von Steffi

Wie gesagt, dieses Vorgehen war in diesem Jahr ein Systemwechsel. Wir wollten abwarten, wie der Konsument darauf reagiert. Es gibt etliche, die nach der Verlautbarung, das Material ist da und kann bestellt / abgeholt werden – sich melden – freuen und Hunderte von Exemplaren für ihre Gemeinde bestellen. Mit dem Hinweis, dass sie am ersten Tag das Material abholen wollen … bzw. sie sollten geliefert werden!

Am Dienstag (Tag der ersten Abholung) machte sich Ralf mit Nathanael auf den Weg zur Schule und lieferte selbigen an der Schule ab. Dann fuhr er weiter zu Steffi und sie tranken erstmal eine Tasse Kaffee – wat mut dat mut – ach ja, Kekse waren auch noch dabei. Steffi ist eine leidenschaftliche und extrem gute Bäckerin – haben wir an Christinas Geburtstag sehr eindrücklich schmecken dürfen!

Dann beluden die beiden das Auto von Ralf. Eine ganze Reihe von Bestellungen kamen vom T.E.C.T. – ein Dozent orderte 800 Andachtsbücher für die Studenten und seine Gemeinde. Dann etliche Studenten, mal mehr und mal weniger. Besonders begehrt sind die Andachtsbücher und natürlich das Material für die Kinder. Zum einen Kinderkalender zum ausmalen und Bücher mit einer biblischen Geschichte. Gerade dieses Material wird gern für die Sonntagschulen und in Schulen genutzt. Bibeln sind selten und sehr begehrt.

So sah das dann zweimal bei Döhrings in der Garage aus

Nachdem wir das Auto von Ralf mit einer ersten Fuhre fürs T.E.C.T. bepackten, war Warten angesagt. Wie gesagt, es wird hier viel groß und gewaltig geredet: bla blubb.

An diesem Tag kam tatsächlich kein weiterer Abholer – obwohl manch einer noch am Morgen anrief oder schrieb, dass er/sie käme und Steffi das Material auf jeden Fall zurücklegen soll.

Wird das denn so weitergehen? Was, wenn keiner das Material abholt, bleibt man dann auf allem sitzen? Nur keine Panik, das wird schon. So formulierte Steffi noch mal deutlich für alle die zwei restlichen Abholtage und Zeiten. Wer zuerst kommt, bekommt – der Rest muss dann halt traurig von dannen ziehen.

Beim Abholen der Literatur am T.E.C.T.

Am Samstag machte sich Ralf morgens erneut auf den Weg zu Steffi, diesmal etwas später. Gegen 9 Uhr gab es erstmal ein Frühstück mit selbstgemachten Brötchen – wo gibt´s denn sowas – das war super lecker – Danke!

Dann wurde der Wagen von Ralf zum zweiten Mal beladen, diesmal mit Unterstützung der „kleinen“ Steffi – Samstag ist ja keine Schule!  An diesem Tag kamen tatsächlich drei Abholer. Einer mit einem Keke und der wollte 500 Andachtsbücher. Spannend, wie bekommt man so viele in ein solch kleines Fahrzeug und das kann nachher auch noch den Berg rauf fahren? Es war erstaunlich, wie viel Platz in so einem Keke ist, passte alles wunderbar rein!

500 Bücher – was man in so ein kleines Fahrzeug alles reinbekommt …

Der zweite Abholer wollte auch 500 Andachtsbücher. Wie willst du die denn transportieren, fragte Ralf ihn – er war zu Fuß da? Also musste er auch noch mal rauf zur Kreuzung, sich dort ebenfalls ein Keke Taxi besorgen, und als sie dann ankamen, konnte auch dieses beladen werden.

Die dritte Abholerin wollte nur für sich ein einzelnes Andachtsbuch. Sie hatte davon gelesen und war sofort interessiert und sehr dankbar.

Jedes Mal, wenn Ralf beim T.E.C.T. einfuhr und im Anschluss Leute ihr Material bei uns abholten, kamen weitere Bestellungen und Interessierte hinzu – meist durch Helfer, die spontan mit abtransportierten. „Ich brauche auch noch 800 Stück für meine Gemeinde!“ „Ich nehme 400 Stück!“

So konnte Ralf schließlich am Dienstag zum dritten Mal das Auto vollpacken, mit dem was halt noch möglich war. Mittlerweile hatten auch andere ihr Material abgeholt und manch einer ist am Ende leer ausgegangen. Zu spät ist zu spät.

Einer wollte gerne ein Photo für seine Organisation mit Ralf machen ….

Es gab sogar ganz Aufgebrachte, die zum einen zu spät und dann unverrichteter Dinge Material abholen wollten. Weil es aber nichts mehr zum Abholen gab und sie das nicht glauben wollten, wurden sie etwas ungemütlich. Aber das ist eben die ganz normale Kultur hier – also alles im grünen Bereich.

Wir konnten Material für einige Lunsar-Studenten und deren Gemeinden mitnehmen – auch unsere Peace Baptist Gemeinde und noch mancher in der Nachbarschaft erhielt Material.

Ein Highlight waren zwei Kartons voll mit Bibeln. Diese bekommen Pastoren, die keine haben bzw. nur schwer an eine ran kommen. New King James Study Edition. In diesem Land erfreut sich diese Übersetzung besonderer Beliebtheit, auch wenn sie nicht leicht zu verstehen ist.

Im Rahmen dieser Verteilaktion sahen wir viele leuchtende Augen. Viel Dank wurde ausgesprochen – und etliche freuen sich bereits auf nächstes Jahr, wenn es vielleicht wieder heißt: Christliche Literatur für Sierra Leone.

Bei Steffi´s Taufe

Danke an Steffi und die Organisation, die diesen wertvollen Dienst leisten – ein Segen in einem Land, wo es eben kaum schriftliches und christliches Material gibt!