Als Familie mal ein paar Tage Urlaub einzuplanen bzw. Zeit dafür zu finden, ist gar nicht so einfach. Die Terminpläne von Nathanael und Christina lassen oft nur wenige Möglichkeiten zu.

Nathanael hat immer mal wieder Schulferien – über Weihnachten und Ostern und dazwischen ein paar „Feiertage“. Doch in diesen Zeiten finden für Christina meist Fortbildungsmaßnahmen am BTS in Lunsar statt oder sie ist auf Konferenzen / Seminare im Land eingeladen und unterwegs. Zudem hat auch das T.E.C.T. nicht die gleichen vorlesungsfreien Zeiten wie der Schulkalender. Wenn sich dann mal was überschneidet, kommen Hausarbeiten und Prüfungswochen hinzu, wo Christina einzelne Studierende unterstützt, wenn sie nicht klarkommen, und auch am Wochenende gut beschäftigt ist.
Zudem erreichen uns Termine und Notwendigkeiten oft sehr kurzfristig. Wenn eine Lücke für Urlaub möglich ist, müssen wir nur noch eine Örtlichkeit finden. Wir suchen nicht so sehr das pralle Leben – eher Abstand, um mal weg zu sein von vielen Menschen, von Lärm und Anforderungen aus dem Alltäglichen.

Zweimal schon konnten wir am Strand von Tokeh Beach eine Auszeit genießen. Leider haben sich dort die Preise deutlich erhöht, so dass wir nach Alternativen gesucht haben.
Durch unsere Freundin Steffi sind wir auf ein Resort aufmerksam gemacht worden, welches in Kent auch direkt mit Zugang am Strand liegt – „Nova Africa“. Das Resort befindet sich im Privatbesitz einer Sierra Leonerin, die Englische und Schottische Wurzeln in sich vereint – der britische Akzent ist richtig wohltuend.

So haben wir uns dort für drei Nächte eingebucht und wollten mal schauen, was wir für Erfahrungen machen. Am Freitag wurde Christina vom Blockseminar in Lunsar abgeholt und am Samstag ging es los nach Kent zu Nova Africa.
Nathanael hatte in dieser Zeit Ferien. Sicher, das TECT würde am Montag wieder starten, aber da Christina die ersten Vorlesungen mittwochs hat, wollten wir bis Dienstag bleiben. Wie gesagt: seltene und kostbare Zeiten.
Die Fahrt nach Kent dauerte ca. 1,5 Stunden und wir waren vom Anwesen sehr angetan. Da hat sich jemand beim Anlegen des Resort etwas gedacht. Die Anlage ist großzügig und bot in unterschiedlichen Bereichen Platz für Tagesgäste oder für Feiern. Dann gab es noch einen etwas abgelegenen Teil für Übernachtungsgäste.

Die Zimmerpreise waren ok und wir hatten ein „Familienzimmer“, was ausreichend war. Frühstück war inclusive, Mittag und oder Abendessen wurde angeboten und kam separat dazu. Das war dann teurer – aber gut. Für unseren Geschmack hatten sie kaum einheimische Gerichte im Angebot – nur am letzten Tag konnte Christina Überzeugungsarbeit leisten und den Koch bewegen, ein einheimisches Gericht für sie zu machen. Auf der anderen Seite war für unseren Großen solch ein Angebot nicht wirklich eine erstrebenswerte Option. Für ihn reichen Pommes ….

Die Zimmer waren mit Klimaanlage, Strom und fließend Wasser ausgeschrieben, wobei das hier – in dieser Kategorie – meist bedeutet, dass der Strom bzw. Aircondition nur in der nächtlichen Zeit (20 – 5 Uhr) verfügbar ist – aber immerhin. Leider hatten sie in unserer Zeit ein Problem mit dem Generator. So gab es keine Aircondition. In weiser Voraussicht hatte Christina einen unserer akkubetriebenen Ventilatoren im Gepäck und das war dann etwas an Hilfe.
Es gab keine Moskitonetze. So konnten wir in und nach der ersten Nacht deutliche Zeugnisse davon wahrnehmen. Gerade jetzt kurz vor der Regenzeit in der tropisch heiß-schwülen Luft tummeln die sich um die Futterstellen.
Am nächsten Tag wurden Moskitonetze angebracht – war ohnehin vorgesehen – und wir hofften auf eine sichere und erholsamere Nacht. Allerdings hatten sie „nur“ Pyramidennetze, keine Würfelnetze. Das mag vielen nichts sagen, ist aber ein erheblicher und wichtiger Unterschied – für uns.

Ein Pyramidennetz wird mitten über dem Bett an der Decke aufgehängt, fällt nach unten und wird über das Bett geworfen. Das heißt es geht von unten breit immer enger nach oben – wie eine Pyramide eben.
Die Fläche zum Liegen und Schlafen ist dadurch beengt – egal wie groß das Netz ist. Und wenn man zu zweit in einem Bett schläft (auch Doppelbett), muss man sich entweder enger aneinander kuscheln oder damit leben, das Netz zu berühren. Berühren geht gar nicht! Denn dadurch finden die Moskitos ihre Aufladestation. Und bei aller Liebe – in einem Land wie diesem ist mit Kuscheln nur schwer klar zu kommen – zu heiß – schwül – klebrig – Mann braucht Distanz!
Wir sind jedenfalls sehr dankbar für unsere Cubenetze (Würfel) – die wir am TECT nutzen und die uns vor den blutrünstigen nächtlichen Besuchern schützen.
Dennoch, die Tage in dem Resort waren sehr angenehm und entspannend.
Im Moment ist überall heiß und schwül und dadurch eben schwieriger auszukommen. Doch am Meer weht immer eine Brise. Das ist sehr wohltuend. Tagsüber waren wir draußen, lagen unter alten Mangobäumen, hüpften mal ins Meer oder machten einen Spaziergang am Strand. Durch die Brise wurden wir tagsüber auch nicht von den Moskitos belästigt – die haben ja keine Substanz und werden einfach hinweggefegt – gut so!
Der Strand ist anders als an Tokeh Beach – kein langer seichter Abfall ins Wasser – hier geht es relativ schnell tiefer. Die Brandung ist in Kent deutlich stärker und die Strandabstände sind etwas kürzer. Der Sand ist deutlich feiner und angenehmer und das Wasser, weil mehr in Bewegung, etwas erfrischender. Nicht ganz so badewannenwarm wie bei Tokeh. Und deutlich weniger Menschen finden sich hier, was für uns angenehm ist.
Die Strände sind …. relativ sauber – das Meer …. ebenso. Von sauberen Stränden und Meer im Zusammenhang mit Sierra Leone zu reden, wäre quatsch – hier wird alles in die Meere gekippt oder eben fallen gelassen, wo man gerade steht. Das ist sehr, sehr bedauerlich.
Sierra Leone ist ein schönes Land und hat tolle Strände und Buchten, aber da Umweltbewußtsein nicht vorhanden ist, findet man überall, auch in der herrlichen Natur, Zeugen der menschlichen Dummheit.
Wo internationale Betreiber von Gasthäusern, Hotels oder Anlagen angesiedelt sind, da sind die Strände sauberer. Jeden Morgen gehen Putzkolonnen hin und her und versuchen Sauberkeit herzustellen.
Wir waren sehr angetan von dem Resort und dankbar für den Tipp, den wir da erhalten haben. Eine gute Adresse für uns, um mal rauszukommen und Abstand zu erhalten. Eine Oase um die Seele baumeln zu lassen und aufzutanken.

Selbst Nathanael, der ja eigentlich am liebsten nicht vom TECT Gelände möchte, außer es geht nach Deutschland, fand die Tage und Zeit prima. Er ist gerne am Meer – genießt Wellen, das Fläzen auf den Hängestühlen und auch Schlafen und Essen waren für ihn in Ordnung. Er überraschte uns ein paar Tage später mit der Aussage, dass er gerne noch mal dort sein möchte – mal sehen, ob das noch was wird?
Als wir uns am Dienstag nach dem Frühstück auf den Weg zum TECT machten, erhielt Christina eine Nachricht vom Rektor, wo sie denn wäre – sie war nicht bei der Chapel – es wird notiert, wer nicht da ist?!
Und natürlich hatte sie vorher Bescheid gegeben, dass sie bei der Chapel nicht da ist und nicht Klavier spielen kann und natürlich wussten alle, dass sie die Woche davor in Lunsar beim BTS war und ihre Vorlesungen auch erst am Mittwoch sind. Dennoch durfte sie zum Rapport ins Büro.
Wie dem auch sei – es war und bleibt eine gute Zeit des Abstandes – ein toller Ort und eine gesegnete Zeit als Familie – davon haben wir hier nur sehr wenige.
