Eine Butterfahrt

Eine Fahrt in die Innenstadt von Freetown (Nähe ehem. Cotton Tree) ist nichts, was zumindest Ralf schätzt, besonders unter der Woche.

Aber nun mussten wir ein paar Besorgungen tätigen und dazu den Markt in der Innenstadt anfahren. Wir wollten bei der City Apotheke vorbei, denn nur bei dieser kann man erhalten, was man benötigt, mit europäischem Standard. Unser Malariadepot war leer. Wir hatten über einen längeren Zeitpunkt versucht, welches zu erhalten.

Der Cotton-Tree – das Wahrzeichen im Zentrum von Freetown – noch vor dem Blitzeinschlag – wenig los

Nun wollten wir nochmal schauen, ob was zu bekommen ist. Und dann eben auch noch auf den Markt – wir brauchten Stoffe für Taufkleidung.

So fuhren wir gegen Mittag los und wollten auf dem Rückweg Nathanael an der Schule einsammeln. Normalerweise parken wir an der Apotheke, um die Besorgungen auf dem Markt bzw. in der Stoff-Straße zu Fuß zu erledigen.

Ralf würde es viel lieber samstags machen – da ist weit weniger los – die Büros und Banken haben geschlossen – die Straßen sehr viel freier und Parkplätze gibt es noch und nöcher. Aber nein, es sollte unter der Woche sein, denn am Wochenende haben gewisse Leute immer anderweitig zu tun. (Dies hier festzustellen ist wichtig … für das Peterspiel).

Wir also mittags los, um uns immer weiter ins Zentrum von Freetown zu schieben, gegen Ende Zentimeter um Zentimeter. Immer begleitet von Menschen, die neben dem Auto hergehen, daran klopfen oder in der Nähe stehen, um Waren anzubieten, um etwas zu Essen oder Geld zu bitten – man könnte von einem Spießrutenlauf im Schneckentempo sprechen ….

Hillstation Freetown

Als wir endlich in der Zielstraße einfuhren, war auf der gewohnten Seite alles voll, keine Parkmöglichkeit in Sicht. Dann war rechts vor einem anderen parkenden Wagen eine Lücke frei und ein Mann winkte uns, um uns zu zeigen, hier könnt ihr parken.

Meist parkten wir auf der anderen Straßenseite. Die Leute machen dann immer irgendetwas weg, um für das Parken Geld zu verlangen. Das dachten wir also auch diesmal – am Ende dem Mann etwas Geld für das Parken geben zu dürfen.

Aber erstmal parken, dann zur Apotheke und schließlich auf den Markt, der ein paar Meter weiter um die Ecke war. Als wir erfolgreich mit allem, was wir wollten, wieder zurückkamen – winkte uns aufgeregt ein Mann zu und deutete auf zwei Polizisten auf einem Bike, die sich auf den Weg machen wollten.

Diese hatten gerade unserem Auto eine Parkkralle verpasst, ein Ticket ausgestellt und wollten sich nun fröhlich nach getaner Arbeit wieder auf den Weg machen.

Während wir noch wie benommen aus der Wäsche schauten, bis uns langsam dämmerte, was das bedeuten könnte, versuchte Ralf die Polizisten aufzuhalten und dazu zu bewegen, die Kralle wieder abzumontieren. Er würde auch das Ticket bezahlen, jetzt gleich.

Auch der Hinweis, dass hier keine Parkverbotsschilder stehen, wir eingeladen wurden zu parken, beeindruckte die beiden in keiner Weise. Was sollen wir denn jetzt tun?? Ihr müsst zur Bank gehen und das Ticket zahlen oder in die Pembroke Street um es dort zu zahlen! Wie bitte soll das gehen ohne Auto – und wo liegt das überhaupt??

Wahrscheinlich hatten die beiden ihr Soll von Strafzetteln noch nicht erfüllt. Gerade noch die schwere Kralle auf dem Bike und waren nun fröhlich, das alles erledigt zu haben – und tschüss.

Was nun? Wir sollten die Nummer auf dem Ticket anrufen, was wir auch machten. Dort bekamen wir die Auskunft, in die Kissy Road zum Straßenverkehrsamt zu kommen. Dort sollten die 250 Leones bezahlt werden. Dann wird die Kralle wieder abgebaut und wir können weiterfahren.

Wir wussten, wo das ist, aber wie kommen wir dahin? Ein Bike – obwohl zu Hunderten um uns rum und unterwegs, würde uns da nicht hinbringen, ließ uns ein Mann wissen. Er war an unserer Seite und begleitete uns die ganze Zeit über. Das ist eine bestechende Eigenschaft in diesem Land. Sie sind sehr hilfsbereit, allerdings geht damit der Wunsch einher, am Ende eine Anerkennung dafür zu erhalten.

Sollten wir solch eine Taxifahrt machen …. – ein Student schickte uns seine Reise aus den Provinzen nach Freetown

Anscheinend dürfen die Taxibikes nicht mehr in die Innenstadt fahren. Seit einer Woche wurde ein offizieller Busverkehr eingerichtet. Alle anderen public transport vehicles sind nun verboten. Wie bitte? Aber hier sind doch Hunderte – muß man nicht verstehen. Es hielt ohnehin keines an. Ein Keke war auch nicht zu ergattern, es waren einfach zu viele Menschen unterwegs. Der Mann, der uns freundlicherweise den ganzen Weg begleitete, hielt schließlich ein Taxi an. Allerdings waren vorne und hinten schon Leute drin. Macht nichts – da passen hinten noch drei weitere rein. Wir versuchten es ….  ließen es dann aber doch ohne uns weiterziehen.

Autos kamen ohnehin kaum voran – Stau. Ein Taxi wollte nicht zum Verkehrsamt fahren – da war wohl noch was offen und so blieb uns nichts anderes übrig, als die vier Kilometer per Pedes zu überwinden.  Das bedeutet, da es keine Fußgängerwege gibt, immer am Straßenrand oder auf der Straße laufen, vorbei an Ständen oder parkenden bzw.

liegen gebliebenen Fahrzeugen – meist die Ursache für die Staus. Also vorwärts froh den Blick gewandt im Stopp and Go des chaotischen Verkehrs und Dreck.

So haben wir also für diesen Tag unser Walkpensum schicksalshadernd erfüllt. Beim Verkehrsamt ging alles sehr schnell –Geld verschwindet in atemberaubendem Tempo.

So blieb noch die Frage, wieder retour laufen oder doch ein … Taxi etc. nehmen? Wie gesagt, die Bikes durften nicht mehr bis ins Zentrum – Keke und Auto sind nicht zu bekommen. So blieb das Transportmittel, welches Ralf nie im Leben hier fahren wollte – ein Stadtbus.

Allerdings musste er feststellen: es war, was den Platz betraf, besser als erwartet – nur wären wir zu Fuß sicherlich deutlich schneller gewesen. Der Bus quälte sich im Schneckentempo durch den Stau. Ja, das hätten wir laufen können, wenn wir nicht nur schon vier Kilometer bei sengender Sonne, Hitze, Staub und Abgasen im Organismus gehabt hätten.

Mit dem Linienbus durch und über den Markt – langsam ….

So standen – rollten – schlichen wir in Richtung Zentrum gute 30 Minuten lang. Und hier wurden wir dann auch Zeuge eines weiteren Verkaufsmodells – das die älteren Herrschaften unter dem Stichwort „Butterfahrten“, also Verkaufsfahrten, vielleicht noch kennen.

Im Bus hatte eine junge Frau etliche Tüten mit Verkaufsangeboten dabei und nutzte diese Fahrt, um laut ihre Produkte anzubieten. Überwiegend waren es Medikamente und Pharmaprodukte, die sie anpries. Tatsächlich verkaufte sie hin und wieder etwas. Also keine schlechte Idee – man zahlt 5 Leones für das Busticket – hat eine ganze Gruppe von aufmerksamen Kaufinteressenten, denen langweilig ist, und genügend Zeit und Ruhe, um alles an Frau oder Mann zu bringen.

An der Endstation stiegen wir gemeinsam mit der Verkäuferin aus, gingen von da noch den letzten Kilometer über den Markt – und siehe da, die Kralle war weg. Wir dann auch. Wir gaben vorher unserem fremden, treuen Weggefährten noch etwas zum Trinken und Geld mit auf den Weg, um nun zur Schule zu fahren.

Eine Fahrt durch Freetown mit dem Keke

Dort sammelten wir Nathanael ein – waren tatsächlich pünktlich und machten uns auf den Weg nach Jui – Fertig.

Eine Frage, die Ralf immer wieder durch den Kopf ging: Wieso mussten wir nur unter der Woche nach Freetown rein … – das Peterspiel!