Gewählt!?!

Nun sind die Präsidentschaftswahlen in Sierra Leone gelaufen. Auch wenn es im Vorfeld immer wieder zu Protesten, Menschenaufläufen und auch Krawallen gekommen ist, war es am Wahltag übergehend ruhig und friedlich. Dafür sind wir dankbar. Die Befürchtungen haben sich für diesen Tag weitgehend nicht bestätigt. Die Bilder und Filme, die wir im Vorfeld zugesandt bekamen, waren zum Teil wirklich erschreckend.

Nun wurde das Ergebnis publiziert: Der bisherige Präsident und seine Partei haben deutlich die meisten Stimmen erhalten. So wird also der alte auch der wiedergewählte Präsident sein und somit das Land die nächsten fünf Jahre regieren.

Der alte und neue Präsident Julius Maada Bio

Nicht nur die Oppositionspartei, sondern auch ausländische Wahlbeobachter haben jedoch davon berichtet, dass es klare Anfragen zu einer offenen und gerechten Wahl gibt. So waren die Siegel von abgegebenen Wahlurnen beim Auszählungsort bereits gebrochen. Auch die nach oben weitergeleiteten Stimmen von den Wahlbüros stimmten nicht immer mit den von Beobachtern festgehaltenen Zahlen überein – hier gab es mehrfach Abweichungen, zudem die internationalen Wahlbeobachter nicht überall Zugang hatten bzw. ihnen nicht alle Daten zur Verfügung gestellt wurden.

Es kommen also nicht nur national, sondern auch international Anfragen zu freien, transparenten und gerechten Wahlen auf.

Nach wie vor Menschenansammlungen

Leider erhalten wir nach wie vor Bilder, Filme und Nachrichten von Menschen vor Ort, die von Gewalt und Krawallen berichten. So wurde kurzerhand das Wahlbüro der Gegenpartei vom Militär angegriffen. Es fielen Schüsse und es wurde Tränengas eingesetzt. Dabei wurde eine Wahlhelferin (Krankenschwester) getötet. Die Siegerpartei erklärt zwar, dass sie in Notwehr gehandelt hat. Angeblich sollte hier zu Protesten und Boykott des Ergebnisses aufgerufen werden. Doch die grenzenlose und überzogene Gewalt, die damit einhergeht, ist erschreckend und zu verurteilen.

Immer wieder erreichen uns Nachrichten von Menschen, die einen Wechsel erhofft hatten und nun ihre Hoffnungen begraben sehen bzw. schwer enttäuscht sind. Die letzten fünf Jahre waren hart und wurden immer schwerer, um leben zu können. Die Währung ist weiter im Sinkflug, die Preise steigen – Löhne nicht – viele haben keine Arbeit – keinen Lohn und wissen oft nicht, wo sie etwas zum Essen für die Familie bekommen. Das Land ist abgehängt und wirtschaftlich gibt es keine gegenteiligen Tendenzen.

Aber ob man das nun alles einer führenden Partei zuschreiben kann? Denn all das unterliegt globalen Zusammenhängen. Der von Russland geführte Krieg hat eben nicht nur in der Ukraine oder in Europa, sondern weltweit seine Auswirkungen. Das erleben gerade die ärmsten Länder noch viel dichter und schlimmer. Doch das Gefühl und Erleben, dass es in den letzten fünf Jahren immer schwieriger geworden ist für die Menschen und das Land Sierra Leone, ist eben Tatsache.

Wir haben den Eindruck, noch ist nicht alles vorüber und wir können nur hoffen und beten, das es friedlich bleibt – dass Sieger die Verlierer nun nicht mit Gewalt und Terror überschütten und Verlierer in ihrer Enttäuschung nicht mit Krawall und Verweigerung antworten.

Möge der Herr des Friedens, seinen Frieden über das Land ausgiessen

Möge Gott seine Liebe über das Land und die Menschen ausgießen und er den Menschen seine Hoffnung schenken. Darum beten wir und folgen dem, wozu Gott uns eben berufen und gesetzt hat.