Osterspeisung 2023

Ende Januar hatten wir stark den Eindruck, dass sich die Lage für die Menschen in Sierra Leone erneut zugespitzt hat. Die gesamte Weltwirtschaftslage – die Trockenzeit – die Wahlen – ein buntes Sammelsurium von ungünstigen Momenten. Immer wieder erzählten uns Menschen, dass sie nichts zu essen hatten. Die Bitten um Nahrung nahmen zu.

Jui Market – links gehts in die „Marktgasse“ davor „Stände“ und rechts die Taxi-bikes und Stände – dazwischen die „Straße“ nach Jui rein.

Wenn man Not sieht, was macht man damit? Nun ja, man hört erstmal hin und dann hält man es Gott hin. Wir hatten den Eindruck, wie wäre es, die Aktion von Weihnachten „Sack Reis“ an Ostern zu wiederholen?!

Ostern – ein Grund des Dankes und der Freude – das wäre doch zusätzlich ein praktischer Grund dafür?! Wer Ostern genug zu essen hat, freut sich doppelt!

So setzten wir uns erstmal zusammen um herauszubekommen, was uns so vorschwebt. Wir wollten wieder die auf dem Campus lebenden Haushalte und Personen in den Blick nehmen. Dies auf alle externen Studenten auszuweiten, ist nicht machbar (das wären über 600 Personen!). Aber diesmal wollten wir gern auch die bedenken, die eher am unteren Ende der Fahnenstange leben – Sicherheitsleute – Haus und Hof etc. – die erhalten noch weniger Geld als alle anderen und werden auch schnell mal vergessen. In einer Gesellschaft in der Titel – Ämter etc. wichtig sind, sind sie es nicht!

Viele Listen – Ergänzungen – Entwürfe

Die Idee war also da. Nun mussten wir schauen, ob und wie das möglich werden könnte und ob überhaupt? Um wie viele Haushalte handelt es sich? Welche Lebensmittel benötigen wir und wieviel wird das alles in etwa kosten? Dann kommt natürlich noch die Logistik und Durchführung dazu – aber small small – eines nach dem anderen!

Nachdem wir unsere Seite geklärt hatten, ging es zum Rektor, um mit ihm seine Gedanken und Sicht darüber zu erfahren. 

Jui Markt – rechts und links „Stände“ und dazwischen wo manchmal auch zwei Leute aneinander vorbei passen. In der Regenzeit läuft dann da das Wasser durch … ab.

Er fand die Idee natürlich gut – Essen ist gut! Er hätte nur gerne, dass wir auch die Teilzeitkräfte mit bedenken. Diese Dozenten leisten viel und bekommen dafür nur wenig. Schluck – ok – wir schauen mal (um wie viele handelt es sich?). Seine Frau würde uns bei der Liste der Lebensmittel, den Preisen und beim Einkauf helfen.

Die Sekretärin baten wir, eine Liste zu erstellen mit allen Angestellten des T.E.C.T. in Voll- und Teilzeit (Dozenten, Sekretärinnen, Hausmeister, Gärtner, Sicherheitsleute, Elektriker, Fahrer), egal ob sie auf dem Campus leben, und aller verheirateten und ledigen Studierenden, die hier vor Ort wohnen.

Unsere beiden vom Sicherheitsdienst – oder Torwächter – links Amadu für die Tagschicht 24×7 und rechts Steven für die Nachtschicht 24×7 – fällt der eine aus – springt der andere ein.

Als wir die Liste hatten, waren darauf 45 Haushalte und die drei Wohnheime der ledigen Studierenden – zwei für Männer – eins für Frauen.

Die Preisliste machte deutlich, dass wir pro Haushalt „nur“ einen 25 Kg Sack Reis kaufen werden und einzig für die Wohnheime jeweils einen 50 Kg Sack Reis. Dazu erhalten alle eine Gallone Speiseöl, Brühwürfel, Salz und Zwiebeln. Alles in allem würde dies ca. 40.000 Leones kosten – wow (ca. 2000 Euro)! Beim Anblick dieser Zahlen waren wir dann doch erst mal … sprachlos – aber gut, wie war das, wir schauen nicht nach unten (was wir haben), wir schauen nach oben, vertrauen und danken!

Steven mit seiner Tochter am Tag der Verteilung

Es ist immer wieder erstaunlich zu erleben, wie Gott arbeitet. Im Verlauf der Orga erhielten wir mehr und mehr den Eindruck und Unterstützung – macht das! Es ist richtig und es wird gelingen.

So sind wir an einem Montag losgezogen, um erstmal eine Wagenladung Reis einzukaufen. Die Frau vom Rektor begleitete uns zu ihrem Laden, verhandelte und stellte sicher, dass die Preise ok waren.

Der Inhaber erzählte, dass gerade gestern erst die Preise wieder gestiegen sind, er uns aber noch den alten Preis geben wird – gute Kunden!

Drei 25 Kg Säcke durch die enge Marktgasse zum Auto – Hindernislauf

So brachten dann drei junge Männer die 45 x 25 Kg und 2 x 50 Kg Sack Reis durch die schmale Gasse zum Wagen, der damit beladen wurde. Immer zwei manchmal drei Säcke auf dem Kopf …  das tut schon beim Zusehen weh. Doch da hier von klein auf alles auf dem Kopf balanciert und getragen wird, sind sie daran gewöhnt. Es sind teilweise wirklich heftig schwere Sachen, deshalb haben die meisten Menschen hier ab einem bestimmten Alter dann auch ständig Kopfschmerzen und/oder Rücken.

2/3 sind drauf

Hab `nen Wagen vollgeladen, voll mit … Reis. Diesen luden wir dann erstmal beim T.E.C.T. ab.

Am Freitag ging es zur nächsten Tour – diesmal um Öl – Salz – Zwiebeln und Brühwürfel („Maggi“) zu kaufen. Inzwischen hatte Ralf die Liste mit den Empfängern noch mal abgetippt und sie der Sekretärin zur Kontrolle gegeben. Es gibt keine offiziellen Listen. Alle benennen die hier Wohnenden aus dem Gedächtnis. Und wie es dann meistens so ist, meinte die Sekretärin, da würden noch drei Haushalte fehlen …. – na super.

Gallon Öl (gelbe Kanister) – Salz vorne links – Zwiebeln – Maggie war vorne im Wagen

Also fuhr Ralf am Freitag, nachdem er Nathanael zur Schule gebracht hatte, auf dem Rückweg noch einmal über den Markt, stoppte und kaufte vorsichtshalber noch mal fünf 25 Kg Sack Reis – man weiß ja nie. Anschließend ging es mit der Frau vom Rektor und dem Fahrer zum Markt, um 50 Gallonen Öl, zwei Sack Salz (mit vielen kleinen Salzpaketen), vier Säcke Zwiebeln und 16 Packungen „Maggie“ zu kaufen.

Salz, Zwiebeln und Maggie wurden in 52 kleine Tüten verpackt. Die Wohnheime der ledigen Studierenden sollten neben den großen 50 kg- Säcken Reis je zwei Gallonen Öl und zwei Tüten Sonstiges bekommen. Denn dort leben deutlich mehr Personen als in einer Familie.

Bei der Frau vom Rektor Adama war erstmal alles gut aufbewahrt – rechts Reis – hinten Öl – links Zwiebeln und vorne links das Salz

Die anderen Haushalte liegen so zwischen 4 – 8 Personen. Was sie erhalten, sollte für ca. 2 – 3 Wochen reichen (täglich wird fast ausschließlich Reis gegessen).

Einen Termin für die Verteilung zu finden war nicht leicht. An welchem Tag zu welcher Uhrzeit und es müsste in der Chapel stattfinden – dem einzigen Ort, in welchem so viele Personen und Vorräte Platz finden würden.

Klar war, es sollte vor Ostern stattfinden. Aber wann sind keine Externen Studierenden auf dem Gelände, die zufällig mit in der Verteilung sitzen und leer ausgehen würden – wie würden die sich fühlen, was würde da rauskommen?

Manche der Quittungen

Dienstagmittag ist ein guter Tag! Die Externen kommen erst zu 17 Uhr für das Abendprogramm. Alle Angestellten wurden gezielt zu dieser Aktion eingeladen. So wurde es Dienstag, der 04. April um 12 Uhr mittags – Highnoon.

„Die Verteilung und alles ist diesmal eure Sache“, meinte der Rektor bei unserem ersten Treffen für diese Aktion. Anders als bei der Weihnachtsaktion – hier wollten wir nicht auftreten, das sollten Sie vom T.E.C.T. machen. Zum einen waren es damals zwei Töpfe, aus denen das Geld zusammengekommen war (Kollektensammlungen des vergangenen Jahres in der Chapel und ein Zuschuss von unserer Seite). Zum anderen wollten wir keine „Anerkennung“. Wir tun, was uns aufgetragen wird und da steckten ja noch andere dahinter. Zu guter Letzt wollten wir auch nicht als die reichen Onkel und Tanten aus der Ersten Welt auftreten – das weckt Begehrlichkeiten – Selbstschutz also.

Das Letzte aber gelingt ohnehin nicht, wir sind die Weißen – in den Augen der Leute hier grenzenlos reich, aus ihrer Sicht gut nachvollziehbar. Aber wir haben Grenzen und die müssen wir auch oft genug deutlich machen – NEIN! Auch wenn es  mitunter echt hart ist, sich Not zu verweigern …. Das ist mega anstrengend und auch frustrierend.

Jeder Haushalt erhielt einen kleinen Sack, abgefüllt mit Zwiebeln – Maggie und Salz und ja das Salz war lose darin – das ist hier normal.

Also diesmal bei der „Osterspeisung“ sollte alles anders sein: „Your Show!“. Für uns war damit klar, wir machen ein kleines Programm: Begrüßung – Lieder – Textlesung – Andacht – Verteilung und Ende – ca. eine Stunde. Wir kamen uns ein bisschen wie die Heilsarmee vor – erst die geistliche Nahrung, dann die irdische Speisung.

Wir hatten schon vorher Einladungen geschrieben und sind bein unserer täglichen Abendrunde über den Campus von Haus zu Haus gegangen und haben diese persönlich überreicht: „Eine persönliche Einladung für die ganze Familie!“

Es ist angerichtet – die Studenten haben beim rübertragen geholfen

Nicht selten war im Anschluss ein Freudenruf im Haus zu hören: „Wir haben eine persönliche Einladung!“ Da war Staunen wahrzunehmen – etwas Besonderes!

In einer Campusandacht erwähnte der Rektor die Verteilaktion und lud alle externen Theologiestudenten dazu ein. Dies war der nächste Schreck. Wieso das?

Im Gespräch mit ihm kam heraus: Die haben ja in dieser Zeit am Campus Unterricht …. u.a. bei Christina … Es sind nicht viele. Sie wären bestimmt mit in der Chapel dabei – Törröö! Und jetzt? „Es wäre gut, Ihnen ein kleines Zeichen der Wertschätzung zu geben“, meinte der Rektor. Es kommt immer anders und immer noch was dazu ….

Eine „kleine Geste der Wertschätzung“ – wir waren unsicher wie das im Vergleich mit dem Essen ankommt – aber das war völlig unnötig und für uns unbeschreibbar.

Ja, was ist denn in dieser Kultur „ein kleines Zeichen“?? Nun hatten wir alles geplant, abgesprochen, durchgerechnet, Summen bewegt und jetzt kommt noch mal was oben drauf – das macht uns immer noch etwas sprachlos. Aber hey, wir sind in Afrika – das passiert ständig. Alles anders und immer flexibel.

Auch diesmal gibt es keine kompletten Listen. Es gibt Studenten, die durch Finanzprobleme noch nicht offiziell registriert sind, aber trotzdem kommen und an den Vorlesungen teilnehmen. Wir fragten diverse Studenten und Dozenten in der Hoffnung, niemanden zu vergessen. Nach einigem Hin und Her, was das heißt und wie wir das bewerkstelligen können, entschieden wir uns, Umschläge mit jeweils 100 Leones vorzubereiten (5 Euro) für ca. 30 Studierende. Eigentlich wären es nur 23, aber lass dich überraschen und mach lieber etwas mehr, damit es am Ende nicht peinlich wird.

Amado der Tagwächter erhielt sein „Carepaket“

Am Dienstag war es soweit. Nachdem gegen 11 Uhr die Chapel frei war, wurden die gesamten Lebensmittel hineintransportiert und aufgebaut. Dann war 12 Uhr und es konnte losgehen. Kurz vorher kam der Rektor und meinte, er würde dann gerne auch noch etwas sagen und er hätte ein Programm erstellt – wie jetzt, das ist doch alles in unserer Hand!?!

Wir erläuterten ihm den Ablauf und entschieden, dass sein Part nach der Andacht kommen sollte. Gesagt getan und los ging´s.

Diesmal saßen Christina und Ralf vorne auf dem Podium – Christina übernahm die Begrüßung, der Chorleiter das Singen, Christina die Textlesung (Mk. 14, 17-20) und Ralf verknüpfte den Osterdank mit der Tischgemeinschaft und dem Essen.

Dann war der Rektor dran und es war ihm ein Anliegen, uns in den Fokus zu stellen, was wir auf uns genommen und verlassen haben, was er bei uns wahr nimmt usw. – also ein Dankeschön und Wertschätzung. Hier ist das üblich. Dann sollten noch jeweils ein Vertreter von den Studierenden und einer der Dozenten ein Dank/Grußwort an uns richten. Das sind so die Momente, die wir überhaupt nicht mögen – denn wir sind es ja nicht – da steckt ein anderer dahinter, dem Ehre gebührt und viele andere die finanziell mithelfen. Aber in der hiesigen Kultur ist das ganz wichtig – es ist oft die einzige Möglichkeit, auf etwas mit Dank und Wertschätzung zu reagieren. Deshalb geben wir den Dank auch gerne weiter!

Eine der Dozentinnen bei der Übergabe

Eine gute halbe Stunde später war alles unter die Leute gebracht und für uns ging damit eine tolle Aktion zu Ende. Die Freude, die hier aufkam und der Dank, den wir schon während der Verteilung wahrnehmen konnten, war grandios – siehe es war gut und richtig!

Noch am selben Tag und auch die Tage danach erreichen uns immer wieder Dankes-Emails oder Whatsapp Nachrichten. Eine davon möchten wir hier teilen – weil sie uns zutiefst berührt hat – was Wahrnehmung und Bestätigung mit sich bringen! Wir können nur sagen, es ist gut von Gott gebraucht zu werden und sich gebrauchen zu lassen. Diesen Dank geben wir weiter – alleine wäre und ist es uns nicht möglich – Danke! Am Ende ist man selbst immer wieder der Beschenkte und Gesegnete! Na jedenfalls unsere Erfahrung. Oder einfach mal ausprobieren …

Family appreciation message. We really thanks the name of the lord Jesus Christ for the wonderful kindness to Wards all family members at TECT. For the past three days my house have experience complete state of dryness, with out food or money. As a father of the house I have been praying for God’s intervention to the glory of God in His own wisdom decided to use you as a point of contact to bless my family . As a family we are very , very greatful for such help. As a family is our prayers for you to have peaceful stay and wonderful experience in Sierra leone. 👏👏👋👋👍👍

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