Leben drumherum

Es gibt hier unendlich viele „Straydogs“! Hunde um die sich keiner kümmert, die versuchen irgendwie zu überleben und über die Runden zu kommen. Sie sehen oft jämmerlich und zum Erbarmen aus. Verwundet – verletzt – dürr – und ungepflegt. Tiere und gerade auch Hunde werden hier in Sierra Leone sehr schlecht behandelt. Man tritt sie, wirft mit Steinen, schlägt sie mit Stöcken und sie werden vertrieben oder getötet. Selbst, wenn die Hunde zu einem Haushalt gehören, wird sich kaum gekümmert – essen ja – liebevoll – streicheln – gute Worte – fehl am Platz. Oft suchen diese Straydogs nur einen Platz zum Überleben – um friedvoll zu schlafen – ausruhen oder was zum fressen. Bei unserem Haus finden sie Ruhe und werden zumindest von uns in Frieden gelassen und Ralf füttert sie auch einmal am Tag. Begonnen mit ein-zwei, versammeln sich mitunter bis zu 10 Straydogs hier – das ist auch uns zu viel. Vor allem der Principal sieht das gar nicht gerne – sie können Krankheiten etc. einschleppen, was ja auch stimmt. Aber in der Regel sind sie harmlos und manche lassen sich von Ralf und mittlerweile auch von Christina streicheln. Ja etliche suchen die Nähe und lechzen nach Streicheleinheiten und liebevollem Umgang. Wir versuchen nicht zu viel Nähe zu zulassen – das kann für sie gefährlich werden. Wenn es dem Principal zu viele Hunde werden, werden Studenten auf sie losgelassen – mit Steinen und Stöcken jagen sie die Tiere und versuchen sie zu töten. Nun ja das gelingt ihnen nicht wirklich. Aber gut für uns, es werden dann weniger Hunde.
Das sind unsere beiden „Schwestern“ wenn sie die Hupe des Autos am Eingangstor hören, kommen sie und nehmen Ralf in Empfang und wie Fluglotsen laufen sie vor dem Auto her um dies einzuweisen. Ralf sieht dann vorne immer nur den erhobenen Schweif hin und her wackeln.
Diese Hundedame ist auch täglicher Gast und wartet auf die Speisung – sie hat gerade wiedermal geworfen. Mittlerweile hat sie nur noch einen Welpen, die anderen wurden gefressen oder getötet – das geschah mit ihrem letzten Wurf auch. Zu Beginn kamen drei und am Ende keiner mehr. Die traurige Realität. Wer hier einen Hundeshelter beginnen möchtet hat hier jede Menge Möglichkeiten und die Hunde sind sehr sehr dankbar.
Das sind unsere regelmässigen Gäste in Eintracht beieinander – in der Mittagssiesta.
Hier mit zwei ganz neuen Hunden – immer wenn eine Dame läufig ist, dann gibt es aufdringliche Besitzansprüche und Gerangel – vor allem Nachts ist es dann mitunter lästig – Gebell – Geknurre und Rangelleien. Dann müssen wir mal um 2 Uhr nachts ans Fenster und für Ordnung klatschen.
Mit Pinsel beim Tierarzt – das gefällt ihm gar nicht und er versucht sich unsichtbar zu machen. Wir mußten zur Blutabnahme. Selbiges wurde zum Serum verarbeitet und dann haben wir dieses zu einer Schwäbin gebracht, die seit 10 Jahren hier eine Schule mitgegründet und verantwortet. Diese flog nach Deutschland und war bereit das Serum mitzunehmen und es an das Institut zu schicken, welches das Blut auf Erreger (Tollwut etc.) untersucht und ob er dagegen geimpft ist. Von dort geht es dann zu Christinas Schwester und dann brauchen wir es wieder hier in Sierra Leone für die Einreise nach Deutschland.

Da herrschen klare Regeln und die sind aus einem Land wie Sierra Leone nicht leicht zu erbringen. Aber bisher hat er alle erforderlichen Impfungen gemeistert – er ist gechipt – kastriert – wir haben ein Flugticket eine Reisebox (aus den USA) und beten das alles reibungslos klappt.
Der Tierarzt hat auch Katzen. Diese hier fand unser Auto sehr interessant. Weil dort eine Ratte heimisch ist und die liebt es die Plastikteile im selbigen Anzuknabbern – Fußmatten – aber auch Kabel. So hatten wir ein Leck bei der Klimaanlage und alles Kodenswasser lief nicht nach außen, sondern ins Auto – das ist bei den Temperaturen hier, eine Menge Wasser. Christina hat gelesen, daß Ratten kein Pfefferminzgeruch mögen – das scheinen diese aber nicht zu wissen. Selbst als die Katze im Fahrzeug verschwand wurde sie leider nicht fündig ….
Nach dem Artzbesuch mit Narkose ging es Pinsel nicht gut – eine Folge der Ruhigstellungsimpfung? Er hat ab dann für eine Woche nichts gegessen und kaum was getrunken und sich ständig übergeben. Er verkroch sich und wollte auch keinen Kontakt – war eher apatisch und völlig daneben – wir merkten das er leidet.
Das war eine anstrengende Zeit. Was war los. Wir waren im ständigen Kontakt mit dem Tierarzt und versuchten ihm auf die Distanz die Situation und Symptome zu beschreiben.
Wir sollten dem Tierarzt Bilder von Zähnen, Gaumen und Zunge schicken – er wollte, was wir später herausbekamen – einen Verdacht prüfen. Es ist nicht einfach einem Hund, der nicht will, das Maul zu öffnen – vor allem wenn dieser gestresst ist und leidet und deutlich zu erkennen gibt, es gibt Grenzen meines Mitwirkens ….
Hier bei der Blutabnahme – Pinsel war sehr unruhig – trotz Beruhigungsspritze und da er ein Papadog ist, war Ralf die ganze Zeit da um ihn zu halten und zu beruhigen. Der Mann vom Institut der die Blutabnahme vornahm und dann auch das Serum herstellte, hatte echte Schwierigkeiten eine brauchbare Vene für die Blutabnahme zu finden. Er versuchte es an allen Läufen mehrfach (abtasten) und als er sich für eine entschied, dauerte es, bis das kostbare Nass seinen Weg in die Ampulle fand.
Als der Tierarzt uns dann besuchte um nach dem Patienten zu schauen – bestätigte er was wir dachten: Pinsel hat einen Mitesser – einen Wurm. Irgendwo hat er was gefressen … möglicherweise Kot und sich dabei mehr einverleibt als gut ist. Er verschrieb jeweils zwei Pillen drei Tage lang. Wir schafften es mit Mühe und Not eine Pille in den Hund zu bekommen, bevor er wütend wurde und zu schnappen anfing. Gott sei Dank es war die Pille gegen den Wurm und nicht die zum Vitaminaufbau. Aber wie um Himmelswillen sollen wir die zweite und in den nächsten Tagen das notwendige erreichen??? Wir versuchten es mit dem alten Trick, die Pillen in Hühnchenfleisch (sein Lieblingsessen) einzufügen – aber er frass das Hühnchen und die Pille blieb übrig. Als Ralf ihm mit Entschlossenheit und Überredungskunst die Pillen einflössen wollte, wurde auch er angeknurrt und geschnappt – Grenzüberschreitung. Also was tun. Die erste Pille hat gezeigt, dass es ein Wurm war und es ging Pinsel deutlich besser. Doch die Mission war noch nicht erledigt. Christina kam auf die Idee die Tabletten zu stößeln und unters Essen zu mischen und so funktionierte es dann.
Alles wieder gut – Patient wieder glücklich und gesund

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