„Hurra, wir haben wieder ein Jahr erleben und in ein neues Jahr einsteigen dürfen!“ Überall konnte man das Ende Dezember / Anfang Januar hören und die Dankbarkeit und Freude sehen. Die Menschen hier feiern jeden neuen Monat, jedes Jahr und ja mitunter auch jeden Tag. Es ist für sie nicht selbstverständlich – das Leben! Zu fragil, unplanbar, zu viel Unvorhergesehenes und Böses, was passieren kann und ihr Leben auf den Kopf stellt.

Etliche junge Leute Anfang 20 haben regelmäßig Bilder von Gleichaltrigen auf ihrem Whatsapp Status, die durch Unfall oder Krankheit sterben.
Während es für uns meist besondere Ein- oder Abschnitte sind (Weihnachten – Neujahr – runder Geburtstag), an denen wir kurz innehalten, wird das Leben hier mit allem was es ausmacht als bedeutsamer gesehen. In dieser vulnerablen Welt ist allen klar, dass sie es nicht unter Kontrolle haben. Gerade die Christen feiern deshalb dankbar die Bewahrung und den Segen Gottes. Es ist Gnade, dass sie noch leben.
Letztens erzählte ein Student Christina, dass mit Anfang 50 die Zeit beginnt, in der das normale Sterben losgeht, weil das Leben eigentlich vorbei und der Körper kaputt ist. Für jemanden, der gerade 51 wurde, ist dieser Gedanke gewöhnungsbedürftig. Aus Christinas Sicht steht sie mitten im Leben und hat noch viel vor. Wir denken wirklich in unterschiedlichen Welten. Wenn man allerdings die Lebenserwartung in Sierra Leone anschaut (zwischen 60 – 63 Jahren), dann ist diese Sicht verständlich.

Doch zurück zu unseren Erfahrungen im Januar: Die hektische und chaotische Festival Season ist vorüber. Wie immer haben wir den Eindruck, dass ab Mitte Januar die Menschen von einer depressiven Stimmung geprägt sind. Die Hitze setzt ein und nimmt Einfluss. Aber auch die wirtschaftliche Lage und persönliche Lebenssituation macht Menschen zu schaffen. Viele können sich nach der Festivalzeit nicht versorgen, weil sie im Dezember über ihre Verhältnisse gelebt haben. Ihnen bleiben deshalb Anfang des Jahres kaum noch Ressourcen – Geld zur Verfügung.

Zu allem Übel hat die Regierung bzw. Regulationsbehörde beschlossen, die Preise für Benzin – Diesel – Gas etc. zu erhöhen, um sage und schreibe 12%. Infolge dessen steigen die Lebenserhaltungskosten – Transportkosten für die Beförderung von Mensch und Material. Ebenso die Preise für Lebensmittel – Kleidung etc. Diese deutliche Erhöhung trifft jeden – aber am heftigsten jene, die schon eh kaum oder nichts haben.
Warum die Erhöhung? Wer weiß das schon – vielleicht braucht die Regierung mehr Einnahmen, um ihre Reisekosten zu finanzieren … schließlich war der Boss in Davos dabei.

Nun mehren sich wieder die Menschen, die zu uns kommen und um Essen bitten oder einfach erzählen, dass es „nicht leicht“ ist. Beim Nachfragen stellt sich heraus, dass sie schon seit ein paar Tagen nichts zum Essen hatten und auch nicht wissen, woher sie in den nächsten Tagen Verpflegung für die Familie nehmen sollen.
Auch unterwegs in der Stadt kommen die Leute wieder öfter ans Auto oder beim Halten an der Ampel und bitten um etwas zum Essen. Die Not ist groß – vor allem für die Schwächsten der Gesellschaft – Alte – Kinder – Menschen mit Einschränkungen.
Wo wir können, versuchen wir zu helfen und etwas zur Verfügung zu stellen – Not zu lindern – was eben geht. Wir sind dankbar für alle Hilfe, die wir weiterreichen dürfen – Gott vergelts!

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