Nach einer aufregenden Erfahrung in einem hiesigen Krankenhaus verlief erst einmal alles ruhiger. Die Schmerzen nahmen ab – wir konnten den Gottesdienst besuchen und da die Schule erst am Dienstag für die Schüler die Tore weit machte, hatten wir einen entspannten Montag.

Am Dienstag brachte Ralf wie gewohnt Nathanael zur Schule, um bei der Rückkehr das Auto Christina anzuvertrauen, die damit zu einem Gebetstreffen in der Pampa bei Waterloo fahren wollte. Sie war eingeladen ein Referat zu halten.
Sie wurde von Rev. Musu, einer der Dozenten-Frauen eingeladen, um eine Andacht zu halten. Letztes Jahr war sie schon zu dieser Konferenz gewesen, um einen Impuls über das Gebetsleben der Frauen zu halten. So ging es in diesem Jahr zum Mercy Prayer Mountain – eine kleine Erhebung in der Pampa, dort trafen sich Leiterinnen aus verschiedenen afrikanischen Ländern zu einer Gebetskonferenz. Letztendlich waren es ca. 30 Leiterinnen aus ganz Sierra Leone und dem Nachbarland Liberia, die sich hier versammelten. Deren Anliegen ist das Gebet und Erneuerung des afrikanischen Kontinents. Diese Halle des Gebets liegt wirklich sehr abseits – ruhig – schön – idyllisch – schlechte Wege – kein Internet – weit weit weg.

Christinas Ansprache hat die Damen begeistert, so wurde sie mit einem Geschenk verabschiedet und der Hoffnung, dass sie auch beim nächsten Treffen mitmachen wird – vielleicht dann online von Deutschland aus. Diese Begegnung hat uns ermutigt: eine sehr geistliche Gruppe mit hoher Leidenschaft für Gottes Reich und Einfluss.

Danach machte sie sich auf den Rückweg nach Jui, dort wollte sie Ralf das Auto übergeben, damit er zur Schule fahren kann, um Nathanael abzuholen. Unterwegs rief sie Ralf an, „Da ist ein Schlagen beim Fahren, dass hört sich nicht gut an!!“ Na super – schon wieder – was tun?
Ralf rief Amadu an und als Christina kam, schaute er sich kurz den Wagen an, doch hier war nichts Auffälliges zu erkennen. So setzte sich Ralf in den Wagen, um Nathanael abzuholen. Doch beim ersten Bremsversuch trat er durch – keine Wirkung. Dann griff die Bremse wieder – mit dieser Unsicherheit fahren ….? Kommt das öfter oder einmalig? Versagen sie dann ganz?
Auch bei den Bremsen konnte Amadu so nichts erkennen – also ab in den Wagen und nach Freetown. Doch wenige Meter weiter auf der Hanga Road, als die asphaltierte Straße begann, hörte Ralf das Schlagen, was immer heftiger wurde und beim Bremsen trat er wieder durch ohne Wirkung.

Also zurück zum T.E.C.T. und Amadu holen. Dieser fuhr dann mit, um sich selbst ein Bild zu machen. Ralf ließ ihn fahren und so nahm er das schlagende Geräusch wahr. Er drehte um und wollte schnell bei der „Werkstatt“ – nur wenige Meter zurück zu seinen Fachleuten – halt machen und nachschauen. Dabei hätte er dann fast einen Umfall gebaut, weil auch er auf die Bremse trat und keine Wirkung erzielte. Nun hatte er auch das Erlebnis und verstand, wie groß das Problem war.
Bei der Werkstatt wurde klar, das dauert …. länger – was jetzt?? Ralf muss zur Schule, um Nathanael abzuholen. Doch mit diesem Auto ist das nicht möglich. Also was tun? Ein Keke oder Taxi? Auf ein Bike passen wir beide nicht drauf oder wollen lieber nicht so viel Familiennähe entwickeln. Zumal die Fahrer oft Kamikaze fahren!
Amadu meinte ,wir sollen ein Taxi nehmen! Bei der Werkstatt lungerte gerade einer rum, der für einen anderen „Unternehmer“ eines dessen Taxis fuhr, und der wäre bereit die Tour nach Freetown und zurück zu machen – für 500 Leones! Amadu war das viel zu teuer, aber Ralf hatte schon die Erfahrung beim letzten Mal gemacht mit dem Keke aus Freetown nach Jui, was ungefähr genauso viel war und das bei einem Keke (was kaum funktionierte) – also willigte er ein. Der Fahrer holte das Taxi und los ging es Richtung Schule.

Manchmal fragt Ralf sich, ob er irgendwo ein Abo gewonnen hat, von dem er nichts mitbekommen hat? „Abenteuer in Sierra Leone?“ „Volle Dröhnung Herausforderungen non-stop?“ „Problemberge haushoch?“
Das Taxi konnte man nicht mit einem Schlüssel starten, es musste immer kurzgeschlossen werden. Die Gänge konnten ohne Zwischengas nicht eingelegt werden – das kannte Ralf ja nun schon vom Keke fahren – um dann die holperige und äußerst geruhsame Fahrt fortzusetzen.
Das Fahrzeug hatte auf jeden Fall schon deutlich bessere Jahrzehnte gesehen – es klapperte – war sehr langsam – bergauf kam der Gedanke auf, ob Aussteigen angesagt ist – langsam aber sicher näherten wir uns Freetown und der Schule.

Bei der Schule sollte der Fahrer kurz warten, damit Ralf Nathanael abholt und sie gleich zurückfahren können. Doch Security wollte ihn auf dem Parkplatz zum Warten haben, das liegt ein wenig am Hang. Beim Aussteigen meinte der Taxifahrer zur Security, dass sie bitte Steine hinten unter die Reifen legen mögen – die Bremsen seien nicht gut!
Ralf holte Nathanael und sie stiegen in das Auto. Doch noch ehe Ralf richtig Platz genommen und die Beifahrertür geschlossen hatte, rollte der Wagen bereits zurück. Der Fahrer wollte den Hang runterrollen, um Sprit zu sparen – der, wie Ralf später erfuhr am Hang nicht mehr zu zapfen war.

Blöde war nur, die Beifahrertür war offen und daneben parkte der Schulbus. Es kam wie es kommen musste, die Beifahrertür stieß gegen eines der Rückfenster und das Fenster zerbarst. O Schreck! Hätte Ralf nicht spätestens jetzt STOP geschrieen, der Fahrer wäre weiter gerollt, der Schaden größer und die Beifahrertür wäre ausgekugelt.
Ralf schob den Wagen zusammen mit anderen etwas nach vorne, damit sich die Tür löst und geschlossen werden konnte.
Der Fahrer wollte nun am liebsten schnell weiter fahren – eine durchaus gängige Praxis hier. Fahrerflucht – normal. Flucht vor der Polizei – ebenso Alltag. Der Grund? Der Fahrer hat ohnehin kein Geld und dann aber auch keinen Führerschein mehr und noch mehr Kosten – sofern er denn überhaupt einen Führerschein hatte.
Ralf bestand darauf, den Schaden der Schule zu melden und abzusprechen, was wie wann und wo getan werden kann. So wurden Daten ausgetauscht und wir konnten danach unseres Weges ziehen.

Wie gesagt, es ging etwas bergab. Die Bremsen funktionieren nicht – „er hat zu wenig Sprit“, meinte er, so dass bei Schräglage der Wagen auch nicht anspringt. Wir also rückwärts den Parkplatz einen Hang runter ohne Bremsen. Manpower zum Bremsen war gefragt – Gott sei Dank nur ein kleines Fahrzeug! So stemmten sich drei Leute gegen das Fahrzeug, damit es „langsam“ und kontrolliert den Parkplatz runter und in ebene Position gebracht werden kann. Ralf war einer der drei und kurz vorm Kollabieren, aber dankbar, dass es nur eine kurze Strecke war!

Dann war der Wagen in Position und ready to go. Da der Wagen nicht so gleich anspringen wollte, fragte Ralf, ob er zum Tanken muss? Ja! Reicht der Sprit bis zur nächsten Tankstelle – die ist bergrauf rechts ca. 1 km von hier? Ja, das reicht!
Wir erleben immer wieder, wie Einschätzungen nichts mit der Realität zu tun haben. Der Wagen war noch bereit bis zur Hauptstraße runter und auf selbige aufzufahren – aber mitten zwischen den beiden Spuren war dann fertig – nichts ging mehr. So saßen wir in der Mitte dieser äußerst belebten Straße und lauschten dem fröhlichen Hupkonzert, in der Hoffnung, es gelingt das Vorbei- und nicht Drauffahren. Währenddessen schrieb Nathanael live und in Farbe seiner besorgten Mutter, was sie alles erlebten. Das sorgte auf jeden Fall für volle Aufmerksamkeit und inniges Gebet.
Alles Bemühen seitens des Fahrers – gutes Zureden – Fahrzeug klopfen – Jammern und Klagen halfen nichts – kein Sprit mehr. Auch das ist in Sierra Leone keine Seltenheit. Deshalb gibt es an vielen Stellen Menschen, die haben 1,5 Liter recycelte Trinkflaschen mit Sprit. Diese können erworben und eingefüllt werden – Notfall-Tanken.

Direkt bei der Schule auf der rechten Seite sind kleine Shops. Einer davon hatte solch einen Notfall-Tank. So wurden zwei Liter ins Fahrzeug eingeflößt. Ralf durfte 56 Leones bezahlen – 6 Leones sind Notfall-Gebühr.
Ob er damit nach Jui zum T.E.C.T. kommt? Aber sicher doch, meinte der Fahrer überzeugend …
Freetown den Berg rauf ging es langsam aber stetig – mitunter wären wir evtl. zu Fuß schneller gewesen, aber immerhin es ging voran.
Dann ging es bergab und Nathanael meinte, wenn die bisherige Fahrt schon so war und die Bremsen nicht gut funktionieren, wie soll das den Berg runter werden? Ralf beruhigte ihn, bergab klappt besser – die Bremsen funktionieren nur beim Rückwärtsfahren nicht!?
In der Tat ging es besser den Berg runter – auch wenn die Geräusche, die das Fahrzeug von sich gab, stellenweise zum Beten einluden. Aber wir sind heile unten angekommen und dankbar ging es dann auch unbeschadet nach Jui weiter.

Der Fahrer war total aufgelöst, wegen des Unfalls, des schlechten Fahrzeuges und wie das nun alles werden soll. Er hat nichts und wenn er verklagt wird, wird er wohl ins Gefängnis müssen.
Am T.E.C.T. stiegen wir dankbar mit einem Halleluja in Gedanken aus dem Fahrzeug, zahlten dem Fahrer die vereinbarten 500 Leones. Als er aber noch Geld wollte um den Schaden zahlen zu können, meinte Ralf, wir warten erstmal, wie viel das sein wird, dann können wir darüber reden.
Drei Tage später war klar, das Reparieren kostet ca. 200 Euro – die Schule würde vom Fahrer nichts bekommen und da Ralf diesen Fahrer mitgebracht hat, sehen wir hier unsere Verantwortung.
Neben der spannenden und unterhaltsamen Fahrt ist wieder ein Abenteuer zu Ende gegangen – wieder sei Gott gedankt, dass alle wohlauf sind und nichts passiert. Gott ist großartig! Ihm ist nichts zu schwer.
Als unser Wagen gegen 21 Uhr abends zurückkam, war er wieder einsatzbereit – fertig für das nächste Abenteuer???
Von einer Panne zur nächsten, von einer Reparatur in die andere. All das passierte in den letzten vier-fünf Wochen – „o du fröhliche“ konnten wir nicht so herzhaft singen.
Als zwei Tage später Ralf nach der Schule auf der Couch chillte – stellte er fest, so kann Entspannung sein – kein Auto kaputt – kein Generator kaputt – alles da und funktioniert – schon zwei Tage – unglaublich!
Mittlerweile konnten wir das Auto für eine Woche nutzen, ohne dass sich Nennenswertes ergeben hat – gut, es müssen am Freitag noch ein paar Gelenkwellen ausgetauscht werden – aber das stand vom letzten Mal noch aus. Auch hierfür benötigte er ein Ersatzfahrzeug und diesmal durfte er wieder das Auto von Freunden nutzen.
Und nun sind wir wieder eine Woche ohne Komplikationen – Reparaturen gefahren. Zugegebener Maßen bleibt das Gefühl von Unsicherheit – aber hey – „eine Woche kein Autoproblem – Halleluja – die kleinen Dinge im Leben feiern!“
