Am Freitag sind wir allesamt in Jui angekommen. Jeder für sich hat erstmal wieder alles einnehmen dürfen. Wir hatten in den Schränken und an vielen Stellen der Küche Giftköder gelegt und gesprüht. Jetzt war auch das zu säubern, bevor wir in der Küche tätig werden konnten.

Die Mäuse oder Ratten flitzen immer noch fröhlich durchs Haus – die Waldameisen genießen ihre Rallye am Spülbecken vorbei und krepieren dort immer wieder wegen des Giftköders – leider lernen sie daraus nichts.
Auf die Termiten hatte es wohl einen nachhaltigen Effekt – aber die Hoffnung, dass sie ganz verschwunden sind, hat sich nicht erfüllt – mögen die Schränke und Böden noch sechs Monate halten ….
Am Sonntag ging es zur Gemeinde. Schon auf dem Rückweg deutete sich eine nächste Sitzung des Autos bei Amadu an. Am Montag kam dieser und stellte fest, dass der Stoßdämper vorne links (Fahrerseite) gebrochen ist. Nun erklärten sich auch das Schleifgeräusch beim scharf links einschlagen.

Es dauerte bis Dienstagabend, um einen entsprechendes Ersatzteil zu finden. Wie gesagt, Amadu fährt dann sämtliche Schrottplätze ab und schaut, ob er dort ein „gutes“ (funktionstüchtiges) gebrauchtes Ersatzteil besorgen kann. Nach zwei Fehlversuchen hatten wir Glück und es ging ans Einbauen und Justieren.
Danach waren auf der anderen Seite die Bremsmanschetten undicht und die Bremsklötze sollten auch erneuert werden – das sind dann aber neue Teile! Zwei Tage dauerte es, dann war das Auto wieder einsatzbereit!
Ralf nutzte das funktionsfähige Auto um schnell in Freetown ein paar Besorgungen für den Jahreswechsel und die Tage danach zu tätigen – alles klappte.
Silvester sollte eigentlich ziemlich geruhsam verlaufen, bis Ralf einen brennenden Schmerz im Brustbereich feststellte. Dieser ging überhaupt nicht mehr und behinderte Atmung – verursachte Kribbeln in den Beinen. Was tun??
Männer sind ja unterschiedlich – die einen brauchen viel Aufmerksamkeit und liebevolle Fürsorge – andere wollen einfach in Ruhe gelassen werden und ziehen sich zurück – wird schon wieder! Ralf ist eher ein Vertreter von lass mich in Ruhe und ab in die Höhle. Wird schon wieder.
Als es aber nach etwas Zeit nicht besser, sondern intensiver wurde, mit Schwindel und Übelkeit, überlegte er laut, was zu tun wäre. Ins Krankenhaus – nein Danke – nur über meine …..

Aber da bei betagten Herren zudem mit stabiler Statur nicht selten das Herz Hallo sagt, war es auch ihm ein Anliegen jemand vom Fach darauf schauen zu lassen.
Was Schlechtes gegessen – zu viel – Sodbrennen – die fehlende Galle – vergiftet – …. Lieber mal bei jemand, der sich auskennt, nachfragen.
In unserem Gebetskreis sind mehrere medizinische Personen – ein Arzt, der war jedoch nicht greifbar. Eine der Krankenschwestern kam sofort mit ihrem Mann vorbei. Puls in Ordnung. So einen guten Blutdruck hatte Ralf schon lange nicht mehr.
Könnte es eine Dehydrierung sein? Ralf trank dann mal schnell einen Liter Wasser und siehe da, es wurde nach kurzer Zeit beim Liegen deutlich besser. Für seinen Bluthochdruck hatte er in Deutschland vom Kardiologen neben dem Blutdruckmedikament etwas verschrieben bekommen, dass dem Herzen hilft, das Wasser schneller auszuscheiden.
Zu Beginn in Sierra Leone musste Ralf die Dosis für Bluthochdruck senken, da hier das Klima eine bessere Durchblutung fördert. So hat er das andere Medikament komplett weggelassen.
Als wir diesmal wieder in Sierra Leone ankamen, erinnerte sich Ralf an das Mittel und nahm es gelegentlich wieder. In einem Land, in dem man ständig schwitzt, Wasser verliert und dann noch ein Mittel nimmt, welches Wasser entzieht, war dann gut möglich, dass es sich um eine Dehydrierung handelt.

Da aber Schmerzen im Brustbereich und die Begleiterscheinungen nicht ungeprüft bleiben sollten, meinte die Krankenschwester, wir sollten ins Krankenhaus, um einen EKG machen zu lassen. Nur so können wir wirklich checken, ob das Herz rund läuft oder eben nicht.
Wie wir Männer oder manche Höhlenbewohner nun mal sind, das ist nicht gut – lieber nicht – es geht mir ja schon viel besser … Zum anderen ist die Aussicht, hier ins Krankenhaus zu müssen, alles andere als eine Offenbarung.
Aber im Grunde war es einleuchtend, an dieser Stelle kein Risiko einzugehen und es checken zu lassen. EKG ist immerhin keine Spritze, die mancherorts wiederverwendet wird…
Wir also auf zum Krankenhaus nach Freetown – ins Choitrams Hospital. Das liegt wirklich sehr schön und wenn es kein Krankenhaus wäre, könnte man hier Ausflüge hin machen.
Angekommen ging es zur Aufnahme für die Daten. Wir mussten die Gebühr für die Konsultation des Arztes zahlen und dann warten. Wir hatten so leichtgläubig gedacht, bei der Erwähnung Brust- und Herzschmerzen würden wir schneller dran kommen – dem war nicht so. Wir saßen dann dort eine gute Stunde und hatten zudem das Gefühl, dass Personen, die später kamen, vor uns im Arztzimmer verschwanden. Als Ralf in Anbetracht der Zeit mal nachfragte, wie es denn nun ausschaut, ging es relativ zügig zum Arztzimmer.
Der Arzt bekam erstmal einen Schreck, als er die Beschwerden hörte und ging dann gleich zum Kardiologen – er war ein Arzt in Ausbildung. Zurück wurden erstmal Symptome aufgenommen und der EKG vorbereitet.

Ralf durfte in die Notaufnahme – dort lagen schon andere Gestalten offen in ihren jeweiligen Zuständen rum. Abgeschirmt war so gut wie nichts. Die Pritsche, auf der Ralf Platz nehmen sollte, wurde gerade von einer anderen Patientin freigemacht. Nun ja, Hygiene wird unterschiedlich bewertet. Das Spannbetttuch und Kopfkissen hatten mit Sicherheit schon viele Patienten vor Ralf gesehen und gespürt – aber gut – wir wollen ja gesund werden.
Die EKG-Klammern (ja, Klammern!!) wurden an Ralf befestigt und die Werte aufgezeichnet. Zurück beim Arzt stellte sich heraus, dass es keine Auffälligkeiten beim EKG gibt und damit ein Herzproblem erstmal ausgeschlossen werden kann – also das akute. Ach ja, für den EKG durften wir im Vorfeld auch noch einen Beitrag zahlen. Das sind echt sehr geringe Beiträge und man zahlt für jeden Schritt im Vorfeld extra.

Nun brachte der Arzt eine ganze Reihe an Möglichkeiten ins Spiel, wie es weitergehen kann – einen Termin beim Kardiologen – beim Gastrologen und und und.
Im Anbetracht der Zeit wollte Ralf die Gastfreundschaft der Ärzte nicht überstrapazieren. Es wird bald dunkel und bis dahin sollten wir möglichst daheim sein! Wir verabschiedeten uns mit dem Hinweis, sollte es wieder auftreten bzw. nicht besser werden, würden wir erneut kommen. Immerhin hat ja alles so geklappt.
Zurück in Jui war dann erstmal Liegen angesagt und Danke Sagen für Gottes Bewahrung sowie für Amber die Krankenschwester, die uns wunderbar begleitet hat – ein echtes Geschenk!
Es geht Ralf deutlich besser, aber nach wie vor treten manche der Symptome gelegentlich auf – dann heißt es trinken – und langsam machen – hinlegen …
Das war mal ein denkwürdiger Jahreswechsel – das Auto wie gewohnt in Behandlung und dann auch noch der Fahrer – da mag wohl eine Symbiose vorliegen …. – als würde jemand auf Teufel komm raus versuchen uns lahmzulegen.
Aber wie immer: Wir sind im Auftrag des Höchsten unterwegs! Er ist der Sieger über Teufel, Tod und Krankheit – also weitermachen im Vertrauen, ein Kind Gottes zu sein!
