Mitte Dezember wurde ich misstrauisch. Wo ist meine geliebte Routine geblieben? Zuerst verschwand mein Frauchen mit Koffer und viel Gepäck. Sie fuhren eines morgens mit dem Auto weg und haben mich nicht mitgenommen.

Abends kam Herrchen allein zurück. Es wurde oft Tag und Nacht, bis sie zurückkam. In dieser Zeit änderte sich auch die Routine von meinem Herrchen und Bruder. Sie blieben länger liegen, fuhren morgens nicht mehr zur Schule und alles war entspannter als sonst.
Das bedeutete aber noch lange nicht, dass mit der Rückkehr von Frauchen wieder alles normal wurde. Im Gegenteil – der Koffer blieb gleich im Flur und wurde nur umgepackt. Zwei weitere Koffer und alles Mögliche an weiterem Gepäck kamen dazu.
Gepäck macht mich nervös. Vor einigen Monaten habe ich das schon mal erlebt und dann waren sie für lange Zeit verschwunden. Das möchte ich nicht wieder erleben! Deshalb habe ich gut aufgepasst, dass sie mich nicht vergessen, als sie alles ins Auto luden. Ralf war etwas genervt – dabei blieb ich nur deshalb mitten im Weg stehen, um alles zu bewachen. An seiner Wertschätzung müsste er ein wenig arbeiten…

Dann ging es los und ich durfte mitkommen! Das Auto voll beladen, die Männer vorn, Frauchen an meiner Seite hinten. Puh, die ruckeligen Wege sind nicht so mein Fall. Mein empfindlicher Magen rebellierte, bis ich alles ausspuckte, was ich drin hatte. Danach ging es endlich etwas besser. Ich war aufgeregt – wo es wohl diesmal hinging? Zu meinen Freunden? Oder zu diesem grässlichen Tierarzt? Weder noch. Wir stiegen an einem neuen Ort aus.

Nach wenigen Schritten erreichten wir den Strand – herrlich! Weicher warmer Sand, viele tolle Gerüche, frischer Wind um die Nase. Leider gab es zahlreiche bedrohliche Leute vor Ort. Und so habe ich mich bei den großen Felsen am Wasser aus dem Staub gemacht – und etwas Herrliches entdeckt. Das Geschäft von vielen Menschen. Ooo, dieser Geruch! Schnell habe ich mich ordentlich darin gewälzt.
Nathanael war scheinbar eifersüchtig, er wollte mich immer davon wegziehen. Aber das Geschirr saß nicht fest genug, so dass ich es irgendwann los war und mir noch schnell nach Herzenslust einige Kostproben davon einverleiben konnte.

Als Herrchen auftauchte, konnte ich seinen Ärger gar nicht verstehen – so ein großartiger Schatz! Leider kamen sie dann auf die blöde Idee, mich auf irgend so ein schwankendes Boot zu heben, das uns mit lautem Lärm übers Meer brachte. O dieses Geschockel – schrecklich! Sogar die frisch verspeisten Fäkalien mussten irgendwann wieder raus. Begeistert war meine Familie nicht darüber, aber mir ging es danach wenigstens etwas besser.

Als die Bootsfahrt endlich vorbei war, kamen wir in ein Paradies – keine Autos oder sonstige Fahrzeuge, keine Abgase, kein Gestank. Herrlicher Strand, Regenwald, wenig Menschen, viele interessante Gerüche – und ich durfte überall frei herumlaufen. Meine Familie nannte den Ort „Banana Island“.
Leider gab es dort stark bewaffnete Untiere mit seidigem Fell, rosa Nase und langem Schwanz. Ihre geringe Körpergröße und das zärtliche „Miau“ sollte aber niemanden täuschen – ihre Krallen sind messerscharf und mit ihnen ist wirklich nicht gut Kirschen essen! Sie haben mir sämtliche Leckerbissen weggeschnappt! Völlig unsozial!
Das habe ich versucht, meiner Familie klar zu machen, als sie naiv auf diese Biester zugehen wollten. Ich konnte einen Kampf gerade noch verhindern, auch wenn ich dafür wirklich laut johlen musste. Es ist nicht leicht, die Familie zu beschützen. Vor allem, wenn sie sich der Gefahren nicht bewusst sind…

Am nächsten Tag kamen Sie auf die Idee, durch den Regenwald zu laufen. Ein Einheimischer (Grandpa David) führte uns auf verschlungenen Pfaden. Doch zuerst zeigte er uns sein Haus und Garten, von dem er sich und die Seinen versorgt. Unter anderem mit mehreren Stauden Hanf – riecht sehr interessant … – wie das wohl schmeckt??
Dann ging es los einmal bis ans Ende (der Insel) und zurück! Es war herrlich, mit der Familie unterwegs zu sein. Aber sie konnten einfach nicht genug bekommen. Irgendwann hing meine Zunge sonstwo, aber es ging immer noch weiter. Ich konnte wirklich nicht mehr, wollte nur noch liegen. Nathanael ging es genauso. Aber die beiden Alten kannten kein Erbarmen. 11 Kilometer sind wir an dem Tag gelaufen! Danach hatte ich mir ein Nickerchen am Strand wirklich verdient!
Am nächsten Tag fuhren wir mit dem schwankenden Boot zurück zum Auto. Wie peinlich, als erwachsener Hund von Herrchen über den Steg auf das Boot und schließlich aus dem Boot getragen werden zu müssen. Ich war froh, im Auto verschwinden zu können.

Dann fuhren wir wieder zum Resort nach Kent – das kenne ich schon. Ich habe dort mehrere Freundinnen, mit denen ich fröhlich am Strand herumtollen und Möwen jagen kann. Eine meiner kaltschnäuzigen Freundinnen ist ab und zu etwas zickig, so sind sie eben, die Weiber. Dann ziehe ich schnell den Kopf ein und halte Abstand.
Einfach herrlich, den ganzen Tag draußen zu sein. Meine Familie liegt immer nur im Schatten, wenn sie nicht spazieren geht. Sehr angenehm. Das Essen dort riecht wunderbar – Scampi und Hummer sowie meine Leibspeise: Hühnchen! Ich konnte gar nicht verstehen, dass Nathanael nach drei Tagen schon wieder nach Hause wollte. Ihm hatte es gereicht. Ich könnte dort immer bleiben. Strand, Freunde, lange Spaziergänge und das gesamte Rudel zusammen – perfekt und viel zu kurz! (Gastbeitrag von Pinsel)
Hinterlasse einen Kommentar