Nachdem Ralf am Sonntag Christina nach Lunsar gefahren hatte – das Auto funktionierte, aber die zurückliegende Erfahrung steckte ihm noch in den Knochen – war er dankbar, heil und sicher in Jui angekommen zu sein.

Da keiner von uns am Montag raus musste, wurde das Auto nicht benötigt und blieb in der Garage. Am Dienstag waren Einkäufe zu erledigen. Als Ralf den Wagen aus der Garage fuhr, stellte er fest, dass beim hinteren rechten Reifen eine Flüssigkeit ausgelaufen war. Viel Flüssigkeit. Eine Kostprobe ergab, es handelt sich um Öl. Siehe da, die Warnleuchten am Amaturenbrett bestätigten mit ihrem Flackern und Leuchten „Houston, wir haben ein Problem!“
Also Auto aus – Amadu anrufen – Ralf hatte die Frage, da ja gerade sämtliche Bremskabel erneuert wurden, ob das Problem hier liegen könnte. Als Amadu kam, stellte sich heraus, dass die Manschette am Bremssattel … undicht war. Eine Erleichterung, dass es nicht die Kabel waren. Dieses Muster passiert in Sierra Leone relativ regelmäßig: Man repariert einen Schaden, um unmittelbar danach den nächsten zu haben. Es scheint geradezu, als wollte die „Werkstatt“ sicher gehen, auch in den nächsten Tagen Kundschaft zu bekommen…

Also wie gewohnt auf den Schrottplatz und Ersatzteile finden. Die Manschette wurde gewechselt. Dabei stellte sich heraus, dass auch die Bremsklötze erneuert werden müssen. Zudem hatte Ralf gemerkt, dass beim scharfen Linkslenken links vorne etwas schleift.
Das aber war eine Aufgabe für den nächsten Tag. Und so wurde es Abend und Morgen – ein weiterer Tag Arbeit am Auto stand an.
Die Bremsklötze wurden am Morgen ausgetauscht – auch sollte das Geräusch beim scharf links lenken sich damit erledigt haben. Gegen Mittag war der Wagen fertig und Ralf konnte ein paar Besorgungen auf dem Markt in Jui vornehmen. Er besorgte auch etwas zum Essen für Nathanael, sich selbst und Pinsel.
Mittwoch ging es nach Freetown, um dort alle anderen Besorgungen zu tätigen. Schließlich würde Ralf am Samstag Christina von Lunsar abholen – am Sonntag im Gottesdient predigen und am Montagmorgen sollte es in den Urlaub losgehen.

Am Freitag wollte Ralf das Auto erneut nutzen und stellte fest, dass nun vorne links eine größere Lache Flüssigkeit ausgelaufen war. Erneut ergab die Kostprobe … Öl. Dasselbe Problem, nur diesmal vorne links statt hinten rechts.
Bei alledem immer wieder die unsicheren Fragen: Kann Ralf am Samstag den Wagen nutzen, um Christina abzuholen? Sollte sie eher mit den Öffentlichen fahren? Braucht der Wagen mehr Aufmerksamkeit und wir können am Montag nicht in den Urlaub fahren?
Aber gegen Mittag war der Wagen fertig und der Fahrt nach Lunsar schien nichts im Wege zu stehen.
Also Samstagvormittag auf Richtung Lunsar. Kurz hinter Waterloo (ist das nicht verheißungsvoll) fing etwas an am Auto zu schlagen. Wirft hier jemand Steine? Das kommt schon mal vor – oder haut ans Auto?
Schnell war klar, es passierte in Bewegung und wurde mehr je schneller der Wagen fuhr. Irgendetwas schien am Fahrzeug lose und schlug nun mit unterschiedlicher Intensität ans Auto.
Ralf fuhr rechts ran und suchte nach losen Teilen – innen – außen – unten – oben – offene Türen – geschlossene Fenster … – nichts – nada.
So fuhr er weiter unter Begleitung dieses beunruhigenden Schlagens. Es wurde nicht besser, eher schlechter.
Wieder stoppte Ralf an einer Tankstelle mit Werkstatt. Er bat die Experten mal einen Blick über, unter und aufs Auto zu werfen.
Es wurde ein kleines Gitter unter dem Frontspoiler gefunden – sonst war nichts zu sehen – kein loses Gestänge – Teil etc. – also weiter. Schnell stellte sich heraus, dass es nicht das Gitter war – es schlug weiter!

Nach einiger Zeit wieder rechts ran und suchen – diesmal fand Ralf ein 20 cm längliches Metallteil im Motorraum – war es das??
Nein das war es nicht – unter Schlagen und Beten entschied sich Ralf nun einfach, den Rest der Strecke nach Lunsar zu fahren und dort in einer Werkstatt nachschauen zu lassen.
Das Schlagen wurde mehr und – dann war es vorbei! Anscheinend hatte sich der Verursacher gelöst und entfernt. Es trat nicht mehr auf und der Wagen fuhr dennoch.

So konnte Ralf in Lunsar das Ehepaar Oosterloo besuchen, bevor er dann beim BTS Christina mit vier weiteren Personen und Gepäck einlud, um sich auf den Rückweg zu machen.
Der Rückweg war unspektakulär. Nichts von dem, was die Hinfahrt behindert hatte, war wahrzunehmen oder zu hören.

Bei unserer Rückkehr informierten wir kurz Amadu, mal einen Blick darauf zu werfen – irgendwo muss das Teil ja herkommen und gegangen sein …?! Aber nichts war festzustellen. Da alles funktionierte, stand unserem Urlaub wohl nichts im Weg – puh!
In all den Jahren hier haben wir keine fünf Nächte am Stück zusammen als Familie außerhalb verbracht. Abgesehen von einem freien Wochenende zweimal im Jahr haben wir in Sierra Leone keinen Urlaub gemacht. Wir merken, wie sehr wir das brauchen!
So ging es am Montag los – auf nach Kent, um mit dem Boot für zwei Übernachtungen nach Banana Island überzusetzen. Danach dann noch zwei Übernachtungen in Nova Africa – ein Resort, das wir schon länger kennen. Wir schätzen es der Abgeschiedenheit und Ruhe halber. Es liegt außerhalb von Kent direkt am Strand. Man ist durch einen durchsichtigen Jägerzaun vom Strand selbst getrennt und damit auch recht gut vor fliegenden Händlern geschützt.

Danke, Gott, für alle Bewahrung und Hilfe! Danke, dass immer zur rechten Zeit eine Lösung da ist! Jemanden wie Amadu zu haben ist hier ein echtes Geschenk und Privileg!

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