Impressionen

In einem Land wie Sierra Leone muss man einfallsreich, kreativ sein und leiden können. Die meisten haben keinen Job und kaum Geld. Um das tägliche Leben zu gestalten benötigt man genau solche Eigenschaften.

Jui Junction – Tor nach Freetown und in die Provinzen – Haltestelle – Verkaufsstände – fliegende Händler – Polizeikontrollen – Parken – Stehen – Laufen – Schieben alles wild durcheinander. Auch wenn für viel, viel Geld Brücken über solche belebte Straßen angelegt wurden – steht Ralf so gut wie alleine auf der Brücke.

Für uns ist es erstaunlich zu erleben, wie hier Dinge gehandhabt werden z.B. was Reparaturen angeht. Im dörflichen Umfeld gibt es kaum Werkstätten (wie wir sie aus unserer Kultur kennen) oder Einkaufsläden. Es gibt Marktstände oder Holzbuden und überwiegend findet alles unter freiem Himmel statt. Uralte und einfachste Werkzeuge und Gesellen, man könnte sich in der Nacht fürchten …

Also wenn man so möchte, wenig vertrauenerweckend. Doch wir werden positiv überrascht und müssen oft dazulernen, wenn wir erkennen, wie falsch wir mitunter liegen.

Ein Bike hatte mal wieder einen langen Kratzer an der Seite des Autos hinterlassen. Mitten am Straßenrand wurde daraufhin geschmirgelt – Farbe zusammengemixt und die betreffende Stelle lackiert. Perfekt – sieht aus wie neu!!

Der Generator ist seit Anfang des Jahres (Februar 2025) kaputt und als endlich klar war (Oktober 2025), dass der Tank innen korrodiert ist, wollte der Reparateur einen neuen Tank besorgen. Aber was Ralf sich schon gedacht hat: Hier Ersatzteile zu erhalten ist kaum oder nur sehr schwer möglich. So hörten wir von diesem Menschen über Wochen nichts mehr – gar nichts mehr. Einfach abgetaucht.

Der Tank wird nun aufgeschweißt

Schließlich nahm sich der TECT Fahrer und Automechaniker Amadu des Generators an. Er wollte den Tank aufschneiden – innen reinigen – dann zuschweißen??! Auweia, wie soll das werden? Aber ehrlicherweise funktioniert der Generator nun schon seit einem ¾ Jahr nicht mehr – also was soll da noch schlimmer werden?!

Während des Prozesses schickte Amadu kleine Videos, um die Arbeitsschritte aufzuzeigen. Das Aufschneiden – das Schmirgeln – das Zuschweißen und Lackieren. Und siehe da, der Tank sieht aus wie neu – nun müssen wir schauen, ob er dann auch dauerhaft funktioniert.

Der aufgeschweißte und geschmirgelte Tank

Es erforderte noch ein paar Mal eine Handanlegung durch Amadu – Zündkerze – Filter – Reinigung – Justierung und siehe da (tara) Mitte Dezember war der Generator tatsächlich wieder einsatzbereit! Gut, er läuft nicht mehr ganz so geschmeidig wie vorher.

Aber hey – er läuft – liefert Strom und das ist eine riesige Erleichterung. Anfang Dezember sind die Vorlesungen vorbei und Mitte Dezember die Examen. Alle ledigen Studierenden müssen den Campus verlassen. So wird der Campusgenerator nicht mehr eingeschaltet. Das Wetter ist oft bewölkt und drückend – das Aufladen der Solarbatterien dauert und wir brauchen den Strom in der Nacht. Also fällt Solar oft tagsüber weg – wir laden die Batterien für die Nacht auf. EDSA kommt und geht und wenn es da ist, dann maximal für 3-4 Stunden. Wäsche machen geht damit gar nicht.

Lackiert – getrocknet und einsatzbereit – so gut wie neu!!

Deshalb ist die Zeit für einen funktionierenden Generator gerade jetzt außerhalb des Semesters perfekt! Immer wieder erleben wir einzigartig: Gott sitzt im Regiment – Er weiß was wir brauchen und was notwendig ist. Danke! Auch wenn das oft sehr herausfordernd und kräftezehrend ist.

Und wie gesagt, wir staunen immer wieder über den Einfallsreichtum und Hartnäckigkeit, mit der die Menschen hier ihren Lebensalltag gestalten. Das ist bewundernswert – wir könnten es nicht!

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