Nach der Reparatur ist immer vor der Reparatur – so die Erkenntnis nach drei Jahren. Das Problem der Klimaanlage war gelöst, was kommt nun und wann? Wir haben gelernt: Die Lösung eines Problems kommt vor dem nächsten!

Nach einer Woche, in der alles normal funktionierte und es möglich war, mit dem Auto die zweite Examenswoche ohne Probleme abzuschließen, machte Ralf sich am Freitag (letzter Examenstag) auf den Weg nach Freetown. Er wollte einkaufen und Nathanael von der Schule ins verdiente Wochenende abholen.
Zwei Geschäfte wurden im Zentrum angefahren. Dann stellte sich Ralf mit dem Fahrzeug auf den Parkplatz oberhalb der Schule, bis es Zeit war, auf das Schulgelände zu fahren, dort zu warten und Nathanael einzusammeln. Routine.

Ralf fährt nie direkt auf den Schulparkplatz, da man dort wegen der Abgase den Motor ausstellen muss. So steht er an einer Parktasche mit laufendem Motor und funktionierender Klimaanlage und wartet, bis die Zeit gekommen ist.
Als es Zeit war, den Berg runter auf den Parkplatz der Schule zu fahren, notierte Ralf, dass mehrere Leuchten im Display aufleuchteten – darunter auch das Warnlicht für die Bremsen.
Was ist das denn? War doch gerade nicht da – ein Wackler – eine Fehlfunktion …. – bitte nicht?!! Kurz den Wagen ausschalten – wieder an …. die Warnleute kam zurück! Und jetzt – kann man fahren? Funktionieren die Bremsen? Immerhin geht es den Berg Richtung Stadtzentrum und zur Schule steil runter.

Bei den ersten Bremsversuchen wurde schnell klar, dass die Bremskraft weg war. Die Bremse konnte so gut wie durchgetreten werden und hatte kaum Wirkung – au weia und jetzt?! Herr, was tun?
Ein Anruf bei Amadu machte deutlich, dass er nicht zur Verfügung stand. Die bewährte Werkstatt war den Berg runter mitten in Freetown – das „Zuhause Jui“ auf der anderen Seite des Berges und dazwischen Nathanael …
Abschleppdienst – so etwas gibt es hier nicht. Pannenhilfe – Fehlanzeige.

Ralf entschied sich, den Fuß auf die Bremse gepresst ganz langsam in den Verkehr einzufädeln – zu schauen, ob die Geschwindigkeit so begrenzt und ob dann mit der Handbremse der Wagen zum Stehen gebracht werden kann.
Unter Schweiß, Gebet und Warnleuchte ging es dann small – sehr small runter auf den Parkplatz zur Schule – wenigstens erstmal Nathanael einsammeln und dann weiter überlegen.
Es dauerte – sehr angespannt – unter viel Gehupe der anderen Verkehrsteilnehmer, aber gut – das ist ja nichts Neues und vor allem nicht außergewöhnlich. Die Hälfte fährt mit Autos, die nur noch mit Tesaband zusammengehalten werden – deren Bremsen quietschen – Reifen eiern, mit Warnleuchten und Martinshorn fahren – also welcome to the jungle.

Ralf versuchte nochmal sein Glück bei Amadu, aber der hatte anderweitig zu tun und konnte sich daraus nicht loseisen – heute Abend ….
Als Nathanael nach den letzten zwei Examen ins Auto stieg, erläuterte Ralf das Problem und sie überlegten die Optionen: Warten bis Amadu zur Schule kommen kann? Runter zur Werkstatt fahren? Andere Richtung nach Jui fahren? Auto stehen lassen und öffentliche Verkehrsmittel nutzen?
Nichts war optimal und alles unsicher, was letztlich daraus würde. Unter Gebet, Flehen und Bitten entschieden sie sich, den Versuch zu wagen, Richtung Jui nach Hause zu fahren. Auch Christina in Lunsar wurde informiert und zum Beten aktiviert.

Vom Schulparkplatz geht es erstmal steil die Auffahrt bis zur Hauptstraße runter. Bremse durchgetreten und ganz langsam. Halten und auf die befahrene vierspurige Straße linksabbiegen – geschafft! Jetzt erstmal den Berg rauf – mit Warnblickanlage an und ganz langsam – an Bumpern stoppen – darüber rollen und weiter. Das Gute: es gab kein Fahrzeug, das langsamer war als wir – so war abruptes Bremsen oder Ausweichen kaum notwendig.
An der höchsten Stelle angekommen ging es deutlich über eine längere Strecke bergab. Immer auf der Bremse und die Hand an der Handbremse und beten, dass der Wagen rechtzeitig zum Stehen kommt, wenn es notwendig war.
Nun lag auch das steilste Stück Weges hinter uns. Wir waren ziemlich angespannt, ins Gebet versunken und betrachteten Verkehr und Auto sehr aufmerksam.
Nach der Stadtgrenze Freetown / Regent gab es deutlich weniger Buden. Menschen und die Straße nicht mehr ganz so belebt – überhaupt hatten wir den Eindruck, dass der Verkehr etwas auf uns abgestimmt war …
Wir hatten vereinbart, wir entscheiden Abschnitt für Abschnitt, ob wir halten oder weiter fahren. So ging es weiter.

Eine weite Strecke in Serpentinen geht immer leicht abwärts bis nach Grafton – von dort ist es dann ziemlich eben und belebter Richtung Jui.
Auch das hat alles gut geklappt – bergrunter immer auf der Bremse im Schritttempo. Wenn notwendig stärker bremsen. Die Geschwindigkeit verringerte sich über etliche Meter weiter, bis dann sogar ein Stillstand möglich war.
An Jui Junction war noch mal alles gefragt, da hier der Verkehr von Mensch und Fahrzeugen nur ein Stopp and Go and Wait möglich machen.
Als wir schließlich auf der Hanga Road in Richtung T.E.C.T. Campus waren (die Zielgerade), fielen uns etliche Steine vom Herzen. Wir merkten, wie angespannt und ausgelaugt wir waren – aber gleichzeitig unsagbar dankbar, wieder in Jui im Haus / Garage zu sein.
Noch Tage später fragten wir uns, ob das richtig war – das Risiko zu hoch und was hätte alles passieren können?!
Am Freitagabend im Dunkeln kam dann noch Amadu vorbei und versuchte, sich ein Bild von der Ursache zu machen. Es zeichnete sich ab, dass wohl die Bremskabel damit zu tun hatten. Aber alles Weitere Samstag früh im Hellen!

Um sieben Uhr stand Amadu vor der Tür und untersuchte den Wagen. Wie befürchtet waren die Bremskabel oder Gestänge löchrig – nicht nur an einer, sondern mehreren Stellen. Er muss nun mit dem Wagen zu einer „Werkstatt“ um dort Ersatzteile zu besorgen und einzubauen – also Schrottplatz, und dort in kaputten Autos nach entsprechenden gebrauchten Teilen suchen.
„Was denkst du? Können wir den Wagen am Sonntag benutzten?“ Ja, das sollte möglich sein, wenn er die Ersatzteile bekommt und alles wie geplant klappt!
Am Sonntag würde Ralf Christina nach Lunsar zum BTS Blockseminar bringen und so war nun die Frage, ob das mit diesem Auto möglich ist oder ob Christina mit den „Öffentlichen“ fahren muß.
Am frühen Samstagabend kam Amadu zurück und der Wagen war fertig. Alles hat geklappt und der Wagen kann für die Fahrt nach Lunsar genutzt werden – Gott sei Dank!
Gott steckt im Detail und auch darüber hinaus – was ein Abenteuer ….!

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