Nach dem Galadinner und Chorfestival folgte nun am Samstag die Parade – eine Proklamation des T.E.C.T. für die Öffentlichkeit. Man sollte einheitlich mit den Shirts des T.E.C.T. gekleidet sein. Natürlich war auch dafür vorgesorgt. Viele Studierende haben die blauen Studentenshirts samt Caps. Man konnte sich jedoch auch entsprechende Shirts – Caps – Tücher – Becher mit Jubiläums-Emblem kaufen. Alles in den Farben des T.E.C.T. gehalten – blau weiß. (Bayern lässt grüßen!)

Der Marsch sollte um 10 Uhr an der Hauptstraße beginnen, die von Jui in die Provinzen führt, um von dort gute 5 Km zum Campusgelände zu laufen. Die hier lebenden Studenten wurden um 6 Uhr aus den Federn gescheucht, um das Gelände auf Vordermann zu bringen (Müll aufsammeln, Blätter wegfegen etc.) und anschließend pünktlich am Startpunkt zu sein.
Samstags von 8 – 10 Uhr hat Christina Vorlesungen für solche Studenten, die nur Teilzeit studieren, eine Art Schnupperstudium mit Abschlusszertifikat. Es erging an die Dozenten die Order, an diesem Samstag vor der Parade keinen Unterricht zu machen – auch wenn die Zeit es theoretisch zulassen würde!
Wurden die externen Studenten darüber informiert – nein, absichtlich nicht. Dann würden die nämlich vielleicht nicht zum Marsch kommen … und müssten 100 Leones zahlen. Das könnte man auch Fürsorge nennen.

Also waren die externen Studenten ab 8 Uhr auf dem Gelände und warteten …. auf die Dozentin. Diese teilte den Fragern dann das Protokoll der T.E.C.T. Leitung mit. (Etliche verließen daraufhin frustriert das Gelände, anstatt auf die Parade zu warten.)
Zu 10 Uhr wollte Christina gern von Ralf zum Startpunkt gebracht werden – im Wissen, dass auch dieser Zeitpunkt sicher flexibel sein wird! Wir haben hier noch nie erlebt, dass etwas pünktlich begonnen hätte (ausgenommen der morgendlichen Chapel Andachten). Wobei man auch bedenken muss – was ist Pünktlichkeit überhaupt?! Das ist wie mit der Wahrheit – alles relativ!
Gegen 10.40 Uhr nahm die Parade ihren Anfang. Mit mehreren Bands und großen Bannern mitsamt Rumtata marschierten Studenten, Familien, Dozenten, Vorstand, Ehemalige und Freunde des T.E.C.T. die 5 Km über die Jui Straße Richtung T.E.C.T., vorbei an Restaurants, Shops, quer über die belebte Kreuzung in Jui, wo zig Busse, Taxen und Minivans aus den Provinzen ihren Halt machen, Menschen warten, andere ein- und aussteigen und fliegende Händler für noch mehr Leben sorgen. Neben der langen Karawane wurde der Verkehr gelotst.
Dafür haben sich extra solche Studenten von Peace and Development Studies, die Polizisten sind, in Uniform geworfen und halfen mit, den Verkehr zu regeln. Anschließend bogen alle auf die Straße ein, die zum Compound führt. Sie war letzten Sommer vor Beginn der Regenzeit fast komplett fertig gemacht worden – aber nur fast. Die letzte wichtige Asphaltschicht fehlte noch. Dann kam der Regen. Inzwischen ist sie so holperig, schlammig und uneben wie zuvor. Macht nichts, der Sonerzug nach T.E.C.T. lief dennoch. Solche Paraden sind sehr öffentlichkeitswirksam. Denn in Jui tobt das Leben – und wir mittendrin! Das war schon etwas und hinterließ einen deutlichen Eindruck. Den Hiesigen machen solche Sachen ohnehin einen riesen Spaß – Musik – Tanzen – Gemeinschaft – super!
Das Wetter war genial. Kein Regen (wie angekündigt), aber dichte Wolken, so dass die Sonne nicht unbarmherzig brannte, sondern es für hiesige Verhältnisse angenehm kühl blieb. So zogen der Sonderzug schließlich fröhlich auf dem T.E.C.T. Gelände ein. Etliche Personen wurden hoch leben gelassen, es war ausgelassene Stimmung unter den Studenten. Vor dem Hauptgebäude wurden anschließend zwei Flaggen gehisst: Unter Singen der Nationalhymne zunächst die Flagge von Sierra Leone und dann noch die Jubiläumsfahne des T.E.C.T. mit einem Lied, welches vor etlichen Jahren der deutsche Missionar und Pastor Albrecht Gralle getextet hatte, als er hier arbeitete. Es ist das offizielle T.E.C.T. Lied. Anschließend gab es noch ein paar warme Worte, Gebete und zuletzt die Aufforderung, morgen pünktlich zum Festgottesdienst um 14 Uhr zu erscheinen … 100 Leones Haben oder nicht Haben!
Da die meisten Gottesdienste ja hier eh länger dauern, gab der Rektor die Erlaubnis, ausnahmsweise auf den Gottesdienst in der eigenen Gemeinde verzichten zu dürfen um dann am Festgottesdienst pünktlich zu erscheinen.
Die Festwoche mit all ihrer Spontanität und hohen Taktfrequenz war anstrengend. So hatte Christina sich entschieden, nicht zum Gottesdienst unserer Gemeinde zu gehen. Da Ralf durchaus flexibler mit den T.E.C.T. Veranstaltungen umgeht, machte er sich gegen 9.30 Uhr alleine auf den Weg zum Gottesdienst.

Es war ein besonderer „Thanksgiving der Pioneers“ – also die Teenager gestalteten den Gottesdienst und riefen zu Spenden für die Gemeinde auf. Die machen das richtig toll und es machte Spaß daran teilzuhaben. Allerdings musste Ralf sich dann doch gegen 12 Uhr auf den Rückweg nach Jui machen, um pünktlich zum Festgottesdienst anwesend zu sein. Auf dem Rückweg besorgte er für Nathanael noch eine Pizza.
Das Programm startete …. um 15 Uhr und wurde im Verlauf des Gottesdienstes sehr voll – gute 400 Personen waren am Ende anwesend. So dauerte allein die Vorstellung und Begrüßung – der historische Abriss und die Danksagungen gute zwei Stunden. Die zwei Lieder vom Chor waren manierlich – die Predigt prima. Dann kam die übliche Spendenauktion – wer gibt 500 Leones – kommt nach vorne – wer gibt 200 Leones – kommt nach vorne – wer gibt 100 Leones – kommt nach vorne – wer gibt 50 usw. Am Ende wurden zusätzlich auch noch die Kollektenkörbe durch die Reihen geschickt – so hatte dann auch wirklich jeder die ausgiebige Gelegenheit, sich finanziell zu beteiligen.
Dann stand auf dem Programm noch drei externe Grußworte – allerdings fühlte sich mit einem Mal fast jeder Gast – Pastor und Honoraten – genötigt auch ein Grußwort zu geben – nur ganz kurz. Die Erfahrung lehrt, wer mit „nur ganz kurz“ beginnt, braucht immer sehr lange va Pastoren!
So endete der Festgottesdienst gegen 19 Uhr – was für ein Marathon! Für die deutsche Seele sind so viele Stunden auch nach zwei Jahren Training eine absolute Herausforderung. Gerade wenn das hundertste Grußwort eingeschoben wird, das nicht im Programm stand. Leider durfte sich die Organistin nicht heimlich aus dem Staub machen, da das T.E.C.T. Lied erst ganz am Schluss kam und ein Fehlen des Inventars dann aufgefallen wäre. An dem Abend sollte man Christina am besten gar nicht mehr ansprechen. Es war wirklich reichlich…
Vielleicht kann es jetzt auf dem T.E.C.T. wieder etwas um das Studieren und Lernen gehen?
Der Rektor rief am Ende noch spontan einen Ruhetag für den Montag aus – also kein Unterricht. Ralf unkte, dass dies sicher nicht für alle gilt und richtig, so durften manche der Studenten – die ja eh schon die ganze Woche geackert hatten – noch Gebäude anstreichen und das Gelände sauber machen. Die nächste Veranstaltung steht an.