Nun da der Regen doch etwas nachlässt und wir selbst auch schon ungeduldig geworden sind, haben wir einen Termin mit Momoh ausgemacht, um ihn über sein zukünftiges Bike zu informieren.

So kam Momoh. Er hatte keine Ahnung, um was es geht. Als wir ihm von der Idee einer Sammlung anlässlich unserer Silberhochzeit erzählten, um davon ein Bike für ihn und seine Arbeit zu kaufen, war er zuerst sprachlos – dann aufgeregt und schließlich aus dem Häuschen.
Er konnte kaum noch ruhig sitzen und meinte, dass er schon sehr, sehr lange für ein Bike zu Gott betet. Der Transport jede Woche von Jui nach Gbinti kostet nicht nur viel Geld, sondern auch Zeit. Die Fahrten zwischen den mittlerweile fünf Gemeinden nehmen ebenfalls Zeit und Kosten in Anspruch. Durch die heftige Regenzeit kommt man zudem mit dem Auto nicht mehr zu den einzelnen Dörfern, nur noch mit dem Bike.

Wir können gar nicht sagen, was für eine Freude es war mit anzusehen, was die Nachricht mit Momoh gemacht hat.
Auch wenn wir im Vorfeld manche Informationen zu einem möglichen Motorradkauf eingeholt hatten, so sollte nun Momoh selbst sich auf den Weg machen und nach einem geeigneten Bike suchen. Mit einem Weißen im Schlepptau könnte nicht hilfreich sein. Also nimm jemanden mit, der sich auskennt, der selbst ein Bike hat und fährt – das ist immer gut!

So klapperte er zusammen mit Christinas Kriolehrer verschiedene Läden ab und schickte uns Bilder der Bikes mit den entsprechenden Preisen. Die lagen alle preislich dicht beieinander mit einem Unterschied von ca. 100-300 Euro. Das würden wir schaffen! Also welches ist leistungsstark, stabil und soll es werden?
Als er sich entschieden hat, übergaben wir ihn bei einem weiteren Treffen das Geld in bar, ca. 2.900 Euro in Leones in einer Plastiktüte. Let´s go! So machte er sich gleich wieder auf den Weg – es war Samstag – um das Bike für das er sich entschieden hatte, zu kaufen.
Doch dort im Laden erfuhr er, dass dieses Bike gar nicht mehr vorrätig war – erst in einem Monat würde es wieder vorhanden sein. So lange wollte Momoh nicht warten. Ja, da gibt es einen Laden in Kenema, der hat dieses Bike vorrätig und würde es auch am Sonntag verkaufen. Kurzentschlossen setzte sich Momoh in den Bus und fuhr mit dem öffentlichen Taxi nach Kenema ca. 5-6 Stunden Fahrzeit. Der Laden hatte natürlich schon geschlossen. Na und am Sonntag morgen erfuhr Momoh, daß auch am Sonntag nicht geöffnet wurde – also sei morgen, Montag da.

Am Montag stand Momoh vor Öffnung bereits vor der Tür. Als der Verkäufer kam, teilte dieser mit, dass der Preis sich verändert hat. Es sollte nun 300 Euro mehr kosten – einfach mal so. Momoh tat das einzig richtige – er fuhr unverrichteter Dinge zurück. Er war frustriert – hatte so viel auf sich genommen, zusätzliche Kosten und Zeit investiert. Nichts ist dabei rausgekommen.
Ein guter Freund von ihm – Emmanuel, den auch wir sehr gut kennen, hörte sich Momohs Enttäuschung an und meinte nur: Weißt du ich würde ein anderes Bike kaufen! Das, was er selber fährt, hat einige Vorteile. Zum einen ist der Spritverbrauch geringer und zum anderen findest du in den Provinzen deutlich leichter und besser Ersatzteile.
Somit stand fest, warum dieser Einkauf nicht sein sollte. Als das geklärt war, lief Momoh bei uns mit der Plastiktüte voller Geld auf und teilte uns all das persönlich mit. Es war ihm wichtig, uns zu informieren und zu zeigen, dass er alles Geld – bis auf die Transportkosten – noch hatte. Er wollte unser OK. Na klar, das ist doch ein deutliches Signal – also GO!
Also Momoh wieder ab nach Freetown – das Bike kaufen und zurück nach Jui, um es uns vorzustellen. Nun muss er noch seinen Führerschein holen und die Versicherungspolice zahlen. Er meinte, er hätte das Bike gekauft und für 5 Liter getankt und hat noch etwas Geld übrig.

Wir gaben ihm nun Geld für Führerschein, Versicherung und zum Volltanken. Zudem hatten wir uns im ersten Jahr Motorradhelme gekauft. Ralf hat seinen nur einmal getragen – es ist schöner und angenehmer für die Frisur offen zu fahren. So gab er Momoh diesen Helm – für längere Überlandfahrten ist das schon sicherer.
Am nächsten Tag sollten wir doch bitte zu Momoh nach Hause kommen, er möchte, dass wir das Bike segnen. Was wir gerne gemacht haben. Dort haben wir Gott für das Geschenk gedankt und Bike samt Fahrer und Fahrten der Führsorge und dem Schutz Gottes anbefohlen.

Nun also hat Momoh für seinen Dienst einen fahrbaren Untersatz für etwas über 3.000 Euro und wir sind wieder mal total geflasht, erneut ein Werkzeug in Gottes Baukasten sein zu dürfen – das ist einfach wunderbar! Vielen, vielen Dank allen, die sich daran beteiligt haben – ihr habt Gottes Werk getan – seid gesegnet!
