„Was lange währt …“ oder wie war das? Während Christina bei der Graduierungsfeier des Baptist Theological Seminary (BTS) war, besuchte Ralf zunächst eine Schule in Lunsar, um anschließend für einen kurzen Besuch bei Aisha & Hans-Willem Oosterloo vorbeizuschauen. Die wohnen vis a vis zum BTS. Es war schön, mal wieder Zeit mit ihnen zu verbringen und über Gott und die Welt zu quatschen. Unter anderem kamen wir auch auf Autos, Reparaturen und die Schwierigkeiten damit zu sprechen. Dieses Thema taucht sonderbarer Weise immer irgendwie auf …

„Ich kenne da einen Mann in Freetown“, fing Hans-Willem an, „der hat sehr gute Kontakte, unter anderem auch zu einer Werkstatt. Da ich nächste Woche ohnehin in Freetown bin, könnten wir uns treffen und ich verabrede ein Treffen mit dieser Person – interessiert?“
Ja, gerne – Ralfs Begeisterung hielt sich jedoch in Grenzen, da alle Geschichten hier meist ähnlich anfangen – ich kenn da jemanden, der… Und das Ende vom Lied war oft „außer Spesen nichts gewesen“. Doch aufgrund der Dringlichkeit und keiner besseren Alternative – warum nicht!? Hier sollte man immer offen und spontan sein, um Möglichkeiten Raum zu geben. In Afrika lernt man langen Atem, neben Flexibilität und ja auch Spontanität und ….. also wir lernen viel!

So lieferte Ralf Nathanael am vereinbarten Tag zu 8 Uhr an der Schule ab und fuhr weiter in die Innenstadt, um dort auf Hans-Willem zu warten. Der „besondere Mann mit Kontakten“ würde vor 10 Uhr nicht auftauchen. Gegen 9.30 Uhr kam Hans. Gemeinsam fuhren sie zum vereinbarten Treffpunkt. Kurz nach 10 Uhr kam der Mann, hörte sich unsere Geschichte an, telefonierte und meinte, Hilfe würde gleich kommen. Aufgrund von der Vermittlung durch Hans sollten faire Preise vereinbart werden – also kein extra „Weißen-Bonus“ wie mitunter möglich.
Damit war sein Job erledigt und er zog seines Weges. Es dauerte wieder etwas, bis einer der Söhne des Mannes kam. Er schaute sich das Fahrzeug an und meinte, die Bremsen hinten sind das Problem! O Mann, all das hatten wir exakt so schon. Dabei sitzt das Problem vorne und hat mit großer Wahrscheinlichkeit (auch) mit dem ABS Sensor zu tun…

Nach erneuter Erläuterung des Problems unternahmen Ralf und Sohn (vom besonderen Mann) eine Probefahrt. Gott sei Dank setzte sich der Sohn vom Chef selbst ans Steuer. Wunderbarerweise passierte exakt jetzt das problematische Bremsverhalten. Wie oft hatte Ralf frustriert den Vorführeffekt erlebt, dass bei Konsultation eines Spezialisten das Auto brav und unauffällig fuhr. Da es mittlerweile aber dauerhaft zu Problemen kam, war die Chance hoch, dass es diesmal anders ist – endlich mal nützlich!
Darauf ging es ein paar Meter weiter in eine Seitengasse, wo die Werkstatt lag. Hier wurde der Wagen an das Messgerät angeschlossen, um zu sehen wo das Problem sitzt. Auch das hatten wir schon zur Genüge gehabt. Die letzte professionelle Messung mit Reparatur hat 3.000 Euro gekostet und das eigentliche Problem nur sehr kurzfristig gelöst. Und nun?!
Nun ergab die Messung, dass ein Sensor des ABS Systems defekt war – na bitte – und jetzt?
Jetzt müssen wir einen neuen Sensor besorgen und einbauen – dann ist alles zu 200% behoben! Na schauen wir mal – Ralf war da eher skeptisch – er ist ja eher der „das Glas ist halb voll“ Typ und zu oft hatte er das schon gehört.
Nach einiger Zeit kam der neue Sensor, wurde eingebaut und dann ging es ab zur Probefahrt. Trotz heftigen Probe-Bremsvorgängen trat das Problem nicht mehr auf. Wobei Ralf immer wieder darauf hinwies, dass NICHT das plötzliche und heftige in die Bremsen treten problematisch war, sondern das sanfte, langsame Bremsen, bei dem das Problem auftrat.

Neu waren in jedem Fall die fehlenden Warnlichter am Armaturenbrett. Von Beginn an (vor eineinhalb Jahren) fuhren wir täglich mit 8-10 blinkenden dauerleuchtenden Warnzeichen. Wow – so was gibt es?? Sollte es das nun wirklich gewesen sein??
Nun ging es an die Rechnung. Tatsächlich wie vereinbart knappe 350 Euro. Bei der Toyotawerkstatt war es deutlich mehr gewesen, obwohl sie dort die Warnlichter nicht repariert bekamen, und auch das Problem mit den Bremsen tauchte damals relativ schnell wieder auf.
Der Werkstattmeister meinte, dass nun dieses Problem nicht mehr auftreten wird – 200%! Ralf würden ja schon 100% reichen. Also mal sehen und erstmal skeptisch abwarten – die Zeit wird´s zeigen.
Da all das seine Zeit in Anspruch nahm, fuhr Ralf von der Werkstatt direkt zur Schule um dort Nathanael gegen 15 Uhr abzuholen und mit ihm nach Jui zu fahren.
Wie gesagt, er war skeptisch, ob das nun die Lösung des Problems war. Und siehe da, auf dem Weg von der Schule nach Jui trat dann tatsächlich einmal das exakt gleiche Bremsproblem wieder auf. „Habe ich ja gleich gedacht!“, so Ralf, und bereitete sich innerlich schon darauf vor, in der nächsten Woche noch mal bei der Werkstatt vorbeizufahren.
Doch erstmal abwarten und ein paar Tage ins Land gehen lassen – vielleicht (hoffentlich!) war es nur ein Ausrutscher. Denn tatsächlich hatte er bei dieser Werkstatt das Gefühl, dass die sich auskennen und wir hier preislich besser hinkommen.
Also erstmal Geduld und checken, ob und wie häufig das Problem weiter auftritt. Zudem die Warnsignale an der Amatur nicht mehr zurückkamen – ein Erfolg nach Monaten durchgängiger Weihnachtsbeleuchtung.

Eine ganze Woche trat das Problem mit den Bremsen nicht wieder auf. Die Lichter kamen mal und gingen wieder.
Eine ganze Woche war alles prima – bis auf das eine Mal am ersten Tag – ansonsten nada!! Allein das ist schon ein völlig neues Fahrgefühl – keine leuchtenden Warnlichter mehr (seit einem Jahr), kein Stottern und Spurverschiebung beim Bremsen mehr (1/2 Jahr).
Sicher, die Unsicherheit ist weiter da, kommt es zurück – war´s das – … – wer weiß?!? Im Moment sagen wir Danke Vater!
Dann nach einer Woche auf dem Weg von der Schule nach Jui trat das exakt gleiche Bremsverhalten wieder auf – stärker als zuvor. Na bitte!!!!! Von wegen 200%!
Also am nächsten Tag nach der Fahrt zur Schule wieder zur Werkstatt. Wieder etwas warten, bis diese gegen 9 Uhr aufmacht. Mr. 200% trat sofort in Aktion, schloss das Fahrzeug an den Computer an, messen und schauen woran es liegt. Erneut wird ein defekt bei der ABS Anlage angezeigt. Also was tun?

Vorne Reifen abmontieren und Bremsanlage prüfen. „Wir müssen uns dem Problem langsam aber sicher nähern, um rauszufinden, was genau defekt ist und behoben werden muss.“ So wollten sie die beiden Radlager vorne gegeneinander austauschen – dann fahren – wieder messen und schauen, ob es an einem der Sensoren dort gelegen hat und der Austausch das Problem löst.
Auch wenn Ralf das verstanden hat (sprachlich), kann er nicht beurteilen, ob das was bringen wird, denn dazu ist er nicht vom Fach. Wie oft hat er hier schon den Eindruck gehabt, den falschen Beruf erwählt zu haben … Aber es sei eine günstige Variante und so können sie im Ausschlussverfahren das Problem eingrenzen, wurde er aufgeklärt. Also dann mal los.

So bauten sie beide Radlager aus, bevor sie diese aber wieder einbauen wollten, sollte Ralf dazu kommen – o o. Deutlich wurde: das eine Radlager war gebraucht aber sah intakt aus. Doch das andere war nicht nur angerostet, sondern hatte Löcher und Risse – futschikato. Das muss definitiv erneuert werden! Kosten alles in allem ca. 300 Euro und dann ist aber auch alles zu 300% perfekt!

So wurde also ein neues Radlager gekauft. Als dieses wieder mit dem Bike angeliefert wurde, konnte es eingebaut werden.
Derweilen machte sich Ralf im Internet schlau und sprach erneut Mr. 300% an. Ein neues Radlager je nach Typ und Fahrzeug kann er in Deutschland für ca. 50 – 70 Euro erhalten – warum ist das denn hier so teuer? „Mein Freund – der Transport nach Afrika. Alles ist hier teurer als anderswo.“ Warum? – „Das ist halt so.“
An den Lohnkosten für jene, welche die Arbeit machen, kann es sicher nicht liegen…
Ralf kauft unsere Getränke meist bei den lokalen Büdchen / Straßenständen ein. So zum Beispiel eine einheimische „Cola Sorte“ – ist ganz ok. Ein Tragerl mit 9 Flaschen kostet ca. 5-6 Euro. Als er dann an einem Stand wieder ein solches einkaufte – wollte die Dame auf einmal 10 Euro für ein Tragerl haben. „Du weißt schon, dass ich das anderswo für 5-6 Euro bekomme?“ Ja, aber hier kostet es eben 10 Euro.“ Ralf meinte nur, wenn du auf diesen Weißenbonus bestehst, werde ich nicht wieder bei dir einkaufen! Auf eine weitere Geschäftsbeziehung wurde verzichtet. Das passiert nicht immer, aber gelegentlich.

Es wird hier oft kurzsichtig gedacht. Möglichst schnell „viel“ Geld machen – was kümmert mich das morgen. Auf der anderen Seite ist das Leben hier so kurz und auch hart, dass das Morgen oft keine Rolle spielt. Zuallererst will die Gegenwart bewältigt werden.
Aber zurück. Mit neuem Radlager fuhr Ralf wieder zur Schule um diesmal etwas länger bei der Schule auf Nathanael zu warten. Nach Jui fahren, um dann eine Stunde später schon wieder los zu müssen, macht, bei den Strecken hier nicht wirklich viel Sinn. Aber wozu hat man einen Tolino und Spiele auf dem Handy?

Zurück in Jui erstmal wieder Danke Vater sagen – hoffen – beten und glauben, dass dies Bremsproblem nicht wieder auftaucht. Was natürlich nicht heißt, dass die Werkstattbesuche und Reparaturen weniger werden – wahrscheinlich nicht, denn dazu sind die Straßen zu schlecht – das Klima zu extrem und die Materialien einfach zu chinesisch.
Mr. 300% meinte nämlich schon, dass der hintere rechte Reifen kaum noch Profil hat. Ja, das weiß Ralf, obwohl der gesamte Satz Reifen erst knapp ein Jahr alt ist. „Für 400 Euro bekommst du einen neuen Reifen“ – wie bitte? Für 800 Euro habe ich letztes Jahr einen ganzen Satz bekommen. Ja, meinte er, „Chinesische Fabrikate und die halten, wenn es gut geht, maximal 2 Jahre“. Wenn du vier Jahre möchtest, dann musst du westliche Fabrikate nehmen und eben mehr zahlen!
Ja, man lernt nie aus und wird immer wieder überrascht. Aber wäre es nicht schön, mal für einen Monat keine Reparatur zu erleben? Zumindest am Auto – ein Träumchen!
Nachtrag: Mittlerweile liegen fast drei Wochen „ohne“ hinter uns – keine Warnleuchten – kein negatives Bremsverhalten – super dankbar! Boku Tenki Papa God!