Seit dem ersten Blockunterricht am Baptistenseminar in Lunsar ist Aruna ein täglicher Begleiter durch unser Leben – überwiegend von Christina.
Es ist tatsächlich so, dass Aruna sich täglich mit whatsapp Nachrichten meldet und meist auch anruft. Er hat Cristina als seine Mami erkoren und am liebsten hätte er, dass wir ihn adoptieren.

Aruna ist ein liebenswerter, einfacher junger Mann, der gerade seine Schule in Lunsar erfolgreich abgeschlossen hat. Er möchte Lehrer werden und freut sich über seine WASSC Ergebnisse, die ihm einen Zugang zum Studium eröffnen.
Aruna kommt aus einer muslimischen Familie. Er hat sich als Jugendlicher für den christlichen Glauben und für Jesus entschieden. Seit dem ist das Verhältnis zu seiner Familie angespannt. Er wurde nicht verstoßen, aber soll sich auch nicht blicken lassen – Unterstützung erhält er von dieser Seite auch nicht. Er wohnt bei einer „Auntie / Tante“ und deren Familie, was so ziemlich alles heißen kann.

Sein bester Freund ist Moses, ebenfalls ein Student am BTS in Lunsar. Dessen „Auntie / Tante“ arbeitet als Baptistenpastorin und Initiatorin einer christlichen Schule in Lunsar: Divine Preparatory School New London. Aruna hat bereits begonnen, in dieser Schule (Vor- und Grundschule) mit den Kindern zu arbeiten und diese zu unterrichten, seit er selbst mit der Schule fertig ist. Das tut er täglich zuverlässig und komplett ehrenamtlich, denn die Schule kann ihre Lehrer nicht zahlen. Von Seiten der Regierung kommt keine finanzielle Unterstützung.
Darüber hinaus engagieren sich Aruna und Moses gemeinsam in der kirchlichen Kinderarbeit. Sie möchten den Kindern Perspektive, Hoffnung und den christlichen Glauben nahebringen. Deshalb investieren sie Zeit und Herzblut.

Bis vor einigen Wochen arbeitete Moses Tante zudem in einer weiteren Dorfschule. Dem dortigen stellvertretenden Schulleiter war sie mit ihrem christlichen Glauben jedoch ein Dorn im Auge. So intrigierte er – zwang ein Kind in ihrem Haushalt, Gift in das Schulessen zu mischen, damit sie Probleme bekommt, schuldig gesprochen wird und gehen muss.
Bevor es jedoch Unheil anrichten konnte, wurde das Kind nachts von der Pastorin auf frischer Tat „erwischt“ und das Ganze ging vor die Polizei und Gericht. Während das Kind vor der Polizei noch den stellvertretenden Schulleiter belastete, ihn angestiftet zu haben, so bezeugte er im offiziellen dörflichen Klärungsgespräch mit einem Mal, dass die Schulleiterin ihn angestiftet habe. Es war von der Dorfgemeinschaft sehr viel Druck auf den Jungen ausgeübt worden.
Der stellvertretende Schulleiter ist nämlich eine mächtige und angesehene Person im Dorf. Er hat den einzigen Zeugen (das Kind) bedroht und umgedreht. Im dörflichen Klärungsgespräch war nun plötzlich die Schulleiterin die Schuldige und sollte sich verantworten.
Da es Aussage gegen Aussage war, das Kind kaum glaubwürdig, gab es einen Vergleich. Die Pastorin muss viel Geld zahlen, weil sie mit ihren Anschuldigungen gegen den stellvertretenden Schulleiter seinen Ruf beschmutzt habe. Der gute Ruf der Pastorin war nun dahin und eine Zusammenarbeit mit dem stv. Schulleiter nicht weiter vorstellbar.

So verließ sie die Schule und auch die Gemeinde vor Ort, in der sie als Pastorin diente, weil mittlerweile auch dort Misstrauen geschürt war.
Der Baptistenbund bat nun die freigewordene Pastorin, in einem anderen Ort der Region, Port Loko, eine sterbende Baptistengemeinde zu übernehmen und an einer Neubelebung zu arbeiten. Der vorherige Pastor hatte die Gemeinde um Gelder betrogen und war verschwunden. Viele waren zutiefst betroffen, enttäuscht und kehrten der Gemeinde den Rücken zu. Was für ein Gott soll das sein, der es zulässt, dass man so schändlich mit seinen Kindern umgeht?!

Ein kleiner Rest blieb und seit einigen Monaten arbeitet sie dort als Pastorin. Dieser Weg wird kein leichter sein – das war von Anfang an klar. Klar war aber auch, dass Moses und Aruna sie dabei unterstützen werden. Die Pastorin ist ihre geistliche Mutter und sie halten ihr die Treue.
So sind sie dabei, in der Gemeinde Gottesdienste von Versöhnung und Erneuerung zu halten, eine Sonntagschule aufzubauen und Menschen zu Gott einzuladen. Ihre Hoffnung ist zudem, dass manche der alten und zutiefst enttäuschten Gemeindeglieder wieder zurückkehren – aber das ist ein langwieriger Prozess. Sie suchen das Gespräch mit ihnen, was nicht einfach ist.

Da der betrügerische Pastor nicht mehr erreichbar ist, kippen sie ihren Unmut über die neue Pastorin, Moses und Aruna aus. Der Frust muss einfach raus! Möge Gott diesen Prozess segnend und heilsam begleiten. Wir müssen eben verstehen: unsere Hoffnung beruht nicht auf Menschen oder Organisationen, sondern allein auf dem, der sagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Hoffnung ist begründet, wenn sie auf Jesus beruht – da gibt es keinen anderen Weg oder Möglichkeit – das ist ein absoluter Anspruch …. und zu Recht!
Die Pastorin mit ihrer Familie hat kurzerhand das Haus, in dem sie wohnen, halbiert. In der einen Hälfte leben sie. In der anderen Hälfte befindet sich die christliche Schule. Ein paar Bänke – eine Tafel – nackte Wände und durch Ritzen im Dach fällt die Beleuchtung. Beide Hälften sind nur durch einen Vorhang getrennt.

Sie machen das alle ehrenamtlich mit viel Leidenschaft und Herzblut. Es ist nicht nur Engagement, sondern auch Fachwissen. Seitdem Aruna die Schule im Sommer erfolgreich abgeschlossen hat, arbeitet er 5 Tage die Woche von morgens bis nachmittags ehrenamtlich in der Schule. Er ist alleine für eine Vorschulklasse verantwortlich. Dort wird das Alphabet gelernt und das Einmaleins. Außerdem lernen sie etliche Bibelverse. Ihre Vision ist, dass die junge Generation mit christlichen Werten aufwächst und so den Problemen der Gesellschaft in Sierra Leone wirksam begegnen kann. Ihr großer Traum: ein Gebäude mit mehr Platz für die Jahrgänge 1 bis 6, um dem wachsenden Zulauf von Schülern Raum zu bieten. Wir beten um Gelingen und Möglichkeiten.

Da das Grundstück etwas größer ist, hoffen sie in den nächsten Monaten darauf ein Schulgebäude für Vor- und Grundschule bauen und einrichten zu können. Im Moment bildet sich eine dreizügige Vorschule und die 1. Klasse in den provisorischen Räumlichkeiten zum Unterricht ab.
Über die Entwicklung waren wir sehr gut im Bilde und auf dem Laufenden – fast täglich schickte Aruna Fotos, kleine Videoclips vom Unterricht und weitere Infos. Als das Blockseminar nun in Lunsar anstand, war klar, Christina würde an einem der Tage die Schule besuchen und sich selbst ein Bild vor Ort machen.
So lernte sie die Pastorin persönlich kennen. Ein paar der Lehrer und die Schüler und Schülerinnen waren auch da, sie wollten Mum Christina willkommen heißen und einen guten Eindruck machen. Eine Weiße in der Nachbarschaft – eine Attraktion!
Alle haben große Hoffnungen. Wir spüren, hören und sehen die Not, die Hoffnung und den Wunsch mit zu beten und zu helfen.
Genau das werden wir tun, beten – mal sehen was Gott tun will!
Für uns ist es immer wieder gewaltig zu erleben, wieviel Leidenschaft und Engagement in diesen noch so jungen Menschen lebt. So viel Begeisterung und Hingabe für einen Herrn, dem sie ihr Leben anvertraut haben und von dem sie alles erwarten. Das macht uns froh und dankbar!
